7Fragen: Alexander Schachner von Fischer Sports über den Skisport in Russland

© Fischer Sports GmbH

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Fischer Sports ist Gesamtanbieter für den Alpinen und Nordischen Skisport. Zahlreiche Profisportler vertrauen auf die Produkte eines der weltweit größten Skihersteller. In Russland fungiert das Unternehmen auch als Distributor für andere Marken und vertreibt somit beispielsweise Fahrräder der Marke Scott.

Im Interview spricht der Generaldirektor für Fischer Russland, Alexander Schachner, mit uns über die noch ausbaufähige Popularität des Skifahrens in der Russischen Föderation, warum zu UdSSR-Zeiten viele Russen davon geträumt haben selbst Besitzer eines Fischer Skis zu sein und gibt uns Geheimtipps für unvergessliche Skiurlaube in Russland.

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  1. Welche Wintersportart ist in Russland am beliebtesten: Alpinski, Ski Nordisch oder Hockey?

Ich würde sagen, dass Eishockey die wohl mit Abstand populärste Wintersportart in Russland ist. Hier wird auch am meisten Geld investiert.

Russland ist aufgrund seiner klimatischen Verhältnisse natürlich ein Wintersportland und Langlaufen spielt eine sehr wichtige Rolle. Wir als Fischer haben dabei größtes Interesse daran, diesen wunderschönen Sport noch populärer zu machen und wieder in das Schulprogramm russischer Schulen zu bekommen, um Kinder von klein auf für diesen Sport zu begeistern.

Was das Alpinskifahren betrifft, so ist es durchaus beliebt und wir sehen viele Russen, die in den Alpen ihren Skiurlaub verbringen. Trotzdem bleibt es wohl eher eine Randsportart, was auch daran zu erkennen ist, dass Sie kaum eine Übertragung eines Weltcuprennens oder einer Alpinen Ski WM im russischen Fernsehen finden werden.

  1. In den Bereichen Alpinski und Ski Nordisch sind Sie als Sponsor sehr aktiv. Wie machen Sie im Sommer auf die Marke Fischer und Ihre Produkte aufmerksam?

Die Marke Fischer definiert sich sehr stark über den Rennlauf und wir sind als Rennmarke sehr bekannt, vor allem im nordischen Bereich, wo wir ganz klarer Weltmarktführer sind. Dies hat auch die soeben zu Ende gegangene Nordische Skiweltmeisterschaft in Seefeld gezeigt, wo wir wieder einmal die mit Abstand erfolgreichste Marke waren und unsere Sportler 32 Goldmedaillen gewonnen haben. Sommerprodukte haben wir als Fischer, außer Skiroller, keine.

Bei Fischer Russland verhält sich das etwas anders, zumal wir eine Ausnahmestellung innerhalb des Konzerns haben, und neben Produkten der Marke Fischer, auch Distributor für andere Brands sind. Insgesamt haben wir in Russland sieben Brands in unserem Portfolio. Im Sommer konzentrieren wir uns vor allem auf die Marke Scott, eine der weltweit führenden Fahrradmarken.

  1. Wie hoch ist der Loyalitätsgrad russischer Kunden: einmal Fischer Ski immer Fischer Ski?

Fischer als Marke genießt in Russland seit vielen Jahren einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, zumal wir seit über 40 Jahren sehr aktiv russische beziehungsweise sowjetische Spitzenathleten unterstützen.

Es gibt durchaus eine sehr große Anzahl an Kunden, die immer Fischer Ski kaufen werden. Ich höre oft in Gesprächen, dass in Sowjetzeiten jeder davon geträumt hat einen Fischer Ski zu haben. Damals war dies jedoch ungleich schwieriger als heute wie wir alle wissen.

  1. Weshalb erfolgt die Produktion in Österreich und der Ukraine?

Fischer wurde im Jahr 1924 in Ried im Innkreis gebildet und entsprechend wurden auch dort unser ersten Ski produziert. Bis heute haben wir eine Produktion in Ried, wo auch unser Hauptquartier ist.

Im Jahre 1988, also vor über 30 Jahren, hat unser Eigentümer Josef Fischer den Schritt in die Sowjetunion gewagt und eine Zusammenarbeit mit der damaligen größten und progressivsten Skifabrik in der UdSSR in Mukatschewo in der Westukraine begonnen. Mittlerweile haben wir diese Fabrik zur Gänze übernommen und produzieren den Großteil unserer Skis sowie 100% unserer Hockeyschläger in der Ukraine.

  1. Wie stellt Fischer die eigene Innovationsfähigkeit auch künftig sicher?

Wir haben in all unseren Kernbereichen (Alpin, Nordisch und Hockey) Produktentwickler die ständig damit beschäftigt sind, an neuen Innovationen für die Zukunft zu arbeiten. Derzeit wird zum Beispiel bereits an den Modellen für die Saison 2021/22 und darüber hinaus gearbeitet.

Außerdem spielt der Spitzensport eine sehr wichtige Rolle. Viele Innovationen kommen aus diesem Bereich, da das Feedback der Topathleten uns dabei hilft die Produkte immer weiter zu entwickeln. Die Entwicklungen, die wir heute im Spitzensport verwenden, kommen bereits morgen dem Breitensport zu Gute. Hier verhält es sich ähnlich wie in der Formel 1, wo Entwicklungen aus dem Rennsport in Folge in die Serienproduktion übernommen werden.

  1. Sind sie selbst begeisterter Wintersportler?

Ich bin begeisterter Skifahrer und Langläufer und das seit meiner frühsten Kindheit und nehme auch regelmäßig an verschiedenen Volksläufen in Russland teil.

Somit kann man durchaus sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe.

  1. Welche Regionen in Russland empfehlen Sie besonders für den Skisport?

Hier muss man wohl differenzieren zwischen Skifahren und Langlaufen.

Langlaufen kann man praktisch überall gut, wo es die entsprechende Infrastruktur, also Loipen, gibt. Ich persönlich bin immer wieder in Odinzowo, außerhalb von Moskau, wo eine ausgezeichnete Loipe mit Flutlichtbeleuchtung bis 23 Uhr gibt.

Auch kann ich in diesem Zusammenhang die Volksläufe von Russialoppet empfehlen. Hier gibt es im Winter bis Ende April praktisch wöchentlich Veranstaltungen in den verschiedensten Regionen des Landes, von Moskau, über Murmansk, Khanty Mansijsk, den Baikalsee bis hin zur Kamtschatka.

Was das alpine Skifahren betrifft, so ist Sotschi mit all seiner Infrastruktur, die für die Olympischen Spiele 2014 errichtet wurde, die wohl beste Wahl. Darüber hinaus, gibt es im Nordkaukasus einige sehr schöne Skigebiete wie Arkhiz oder auch das Gebiet rund um den höchsten Berg Europas, den Elbrus.

Rund um Moskau und St. Petersburg gibt es einige Hügel die für den ambitionierten Skifahrer wohl etwas zu langweilig sind, aber zumindest die Gelegenheit geben, sich in frischer Luft von der Großstadt erholen.

Weiter im Osten kann ich Scheregesch sehr empfehlen. Es ist zwar etwas weit weg vom Schuss,  da man nach einem langen Flug noch einige Stunden mit dem Auto auf sich nehmen muss. Das Skigebiet selbst hat aber sehr viel zu bieten – von schönen breiten Pisten bis hin zu tollen Tiefschneeabfahrten.

Mein Favorit jedoch ist unumstritten Kamtschatka mit seinen schier unbegrenzten Heliski-Möglichkeiten. Ich war die vergangenen Jahren jeweils im April zum Heliskiing dort, und werde dies mit Sicherheit in den kommenden Jahren wiederholen.

Außerdem kann man im April eine Woche Heliskiing ideal mit der Teilnahme an einem Langlaufmarathon verbinden…


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Alexander Schachner ist Generaldirektor von Fischer Sports Russland. In dieser Position plant, koordiniert und managt er die Verkaufs- und Marketingaktivitäten des Standorts.

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