Allein in 2018 Abwanderung von knapp 400.000 Personen – Brain Drain in Russland

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Nach Kanada hat Russland die höchste Rate an Hochschulabsolventen. Für Arbeitgeber eine attraktive Situation, so können sie aus einem qualifizierten Bewerberpool geeignete Kandidaten auswählen. Immer mehr Russen machen sich jedoch nach dem Studium oder ersten beruflichen Stationen auf dem Weg ins Ausland, um dort ihren weiteren Weg zu gehen. Die Abwanderung von Fachkräften, auch Brain Drain genannt, wird zum zunehmenden Problem für das Land.

Bereits in 1994 wurde die Thematik in einem Artikel aufgegriffen. „Lieber im Westen arbeitslos, als hier beschäftigt“, so lautete eine provokative Aussage damals. Weshalb sehen viele russische Staatsbürger keine Zukunft mehr im eigenen Land? Einer Studie der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAN) zufolge seien seit 2014 vor allem sinkende Löhne und fehlende Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung ursächlich für die Abwanderung in den Westen. Speziell im Bereich der Wissenschaft kommen noch das hohe Maß an Bürokratie und die unzureichende Finanzierung von Laboren, was zu einer mangelhaften Ausstattung führt, hinzu.

Wie viele Personen tatsächlich pro Jahr emigrieren, hierzu ist die Datenlage undurchsichtig. Dem World Migration Report 2018 beispielsweise ist zu entnehmen, dass 2015 Bürger aus Russland nach Indien und Mexiko den größten Anteil an Migranten ausmachten. In 2018 sollen es allein rund 370.000 Personen gewesen sein. Rosstat spricht von 1,7 Millionen zwischen 2012 und 2017. Die tatsächliche Anzahl könnte laut Meinung von Experten aber bis um ein Sechsfaches höher liegen.

Hauptsächlich die jüngere Bevölkerungsschicht versucht ihr Glück im Ausland, insbesondere die 30-34-Jährigen und die 25-29-Jährigen. Die russische Regierung hat den dringenden Handlungsbedarf erkannt. Ende Oktober 2018 unterzeichnete Präsident Putin ein Dekret über ein „Konzept der staatlichen Migrationspolitik der Russischen Föderation für 2019-2025“. Inwieweit sich durch die dort aufgeführten Maßnahmen High Potentials im Land halten lassen bleibt abzuwarten.

 

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