7 Fragen: Daniel Kiefer von THOST über das Projektmanagement in Russland

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„Projekte sind unsere Welt“, © THOST Projektmanagement

THOST Projektmanagement betreut an weltweit 19 Standorten Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen im Projektmanagement. Allein 2017 waren es mehr als 330 Projekte.

Im Interview berichtet der Standortleiter von THOST Russia Projektmanagement, Daniel Kiefer, über die Gründe nach der wachsenden Nachfrage nach Beratungsleistungen im Projektmanagement, warum man auf dem russischen Markt mehr denn je Präsenz zeigen sollte und was ihn an Russland fasziniert.

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  1. Daimler baut derzeit nordwestlich von Moskau deren erstes russisches PKW-Werk. THOST ist für den Automobilkonzern für das Projekt- und Constructionmanagement verantwortlich. Was zeichnet speziell dieses Projekt aus?

Die qualitativ hohe Ausführungsqualität bei sehr kurzer Realisierungszeit.

Wir werden durch sehr enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und sehr schnelle Bearbeitung von Genehmigungsthemen durch die Behörden die Projektziele pünktlich realisieren.

Dieses Projekt zeigt einmal mehr, wie THOST als professioneller externer Projekt- und Construction Management Dienstleister:

  • das „Öl im Projektgetriebe“ ist um Schnittstellen so reibungsarm als möglich
    zu koordinieren und alle Projektbeteiligten so zu unterstützen, dass diese ihre      Leistungen bestmöglich erbringen können.
  • örtliches Know-how, z.B. von Genehmigungsverfahren, aber auch in Beschaffungsprozessen, als essentielle und wertvolle Ergänzung zu Projektabwicklungsstandards eines Auftraggebers einbringen kann um den Projekterfolg zu sichern
  • Risiken und Maßnahmen zu deren Minimierung frühzeitig aufzeigen und durch rechtzeitige Maßnahmenimplementierung Termine aufholen und Kostenrisiken minimieren kann.
  1. Wodurch lassen sich allgemein Projekte Ihrer Kunden in Russland kennzeichnen; gibt es gravierende Unterschiede im Vergleich zu Westeuropa?

Projekte unserer Kunden sind in der Regel technisch und organisatorisch sehr komplex. In Russland kommt noch die Komplexität der Genehmigungsprozesse und damit verbundener Dokumentationsanforderungen hinzu. Dies erfordert in der Regel hohe Beratungskompetenz zu Projektabläufen und Schnittstellen um ein bestmögliches Zusammenspiel und die Termineinhaltung der Projektbeteiligten zu erreichen. Diese Kompetenz zeichnet unsere Mitarbeiter in Russland aus.

Eine weitere Herausforderung in volatilen Märkten ist die Erfordernis sehr agil und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können und diese Flexibilität auch in Projekten jederzeit zu ermöglichen. Hierfür haben wir Mitarbeiter speziell weitergebildet und fördern dies auch weiterhin.

  1. Wie hoch ist aktuell die Nachfrage nach Ihren Dienstleistungen im Projektmanagement in Russland und wie wird sie sich in den kommenden fünf Jahren aus Ihrer Sicht entwickeln?

Die Nachfrage nach den Dienstleistungen im Projektmanagement steigt, da insbesondere in herausfordernden Zeiten Erfahrung bei der Optimierung von Kosten und Terminabläufen gefragt ist. Außerdem werden Projekte insbesondere durch die Digitalisierung komplexer, sodass interne Projektabteilungen oder Freelancer oft an ihre Grenzen kommen.

Selbst der Premierminister der Russischen Föderation, Herr Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, hat in seiner Ansprache beim Investmentforum in Sotschi mehrfach erwähnt, dass neue Projektmanagement-Methoden erforderlich seien um die Herausforderungen der nationalen Projekte in Russland zu meistern.

Schlüssel zum Erfolg von Projekten ist die Transparenz, das heißt jederzeit über den Status des Projektes ehrliche Kenntnis zu haben und damit rechtzeitig notwendige Maßnahmen ergreifen zu können. Die insbesondere wirtschaftlichen Vorteile daraus werden mehr und mehr auch von russischen Auftraggebern erkannt und damit der Bedarf an professionellem, transparentem Projektmanagement.

Leider beobachten wir auch, dass Auftraggeber meinen, am Projektmanagement sparen zu können und nicht bemerken, dass sie dadurch an anderen Stellen viel höhere Geldbeträge verlieren.

  1. 2014 empfahlen Sie bei einem Treffen des VDMA in Moskau den Teilnehmern, in der schwierigen Marktsituation den Markt intensiver zu bearbeiten, Präsenz zu zeigen und antizyklisch zu investieren. Die wirtschaftliche Lage hat sich seitdem nicht wesentlich verbessert. Welchen Rat würden Sie deutschsprachigen Unternehmen nun mit auf den Weg geben?

Ich würde noch deutlicher als 2014 dafür werben, im Markt zu lokalisieren und Präsenz zu zeigen. Es gibt großes Projektpotential, allerdings eher russisch als international bestimmt. Darauf muss man sich durch örtliche Präsenz, örtliche Wertschöpfung und örtliches Preisniveau einstellen.

  1. Im letzten Jahr haben Sie in Russland trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage Ihren Mitarbeiterstamm deutlich erhöht. Was ist beim Recruiting in Russland zu beachten?

Beim Recruiting achten wir mehr auf die persönlichen Fähigkeiten (Soft Skills) von Bewerbern und deren Offenheit für Neues, Lernbereitschaft, Agilität und Flexibilität als auf bereits vollständig vorhandene Fachkenntnisse.

  1. Sie sind Vorsitzender der Arbeitsgruppe (AG) Immobilien und Bauwirtschaft bei der deutsch-russischen Auslandshandelskammer (AHK). Welche Synergieeffekte ziehen Sie daraus und welche Themen stehen in den nächsten Monaten schwerpunktmäßig auf der Agenda der AG?

In der AG werden viele Fachthemen und zukünftige Entwicklungen diskutiert, die für unsere Projektarbeit relevant sind. Deshalb nehme ich nach Möglichkeit auch Kollegen mit dorthin, damit diese wertvollen Anregungen auch im Kollegenkreis bekannt werden und empfehle dies auch allen anderen im Immobilien- und Baubereich tätigen AHK-Mitgliedern.

Zusätzlich bietet die AG eine gute Plattform zum disziplin-übergreifenden Netzwerken, z.B. mit Planern, Juristen, Investoren, Beratern, Baustoffherstellern, Baufirmen und weiteren Projektbeteiligten.

Themenschwerpunkte werden zum Beispiel Updates zu gesetzlichen Änderungen, Digitalisierung im Bauwesen, innovative Baustoffe, nachhaltiges Bauen und LEAN Management sein.

  1. Was hat Sie in Ihrer bisherigen Zeit hier in Moskau besonders beeindruckt, sowohl geschäftlich als auch persönlich?

Beeindruckt hat mich die Geschwindigkeit und Qualität der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur (z.B. Brücken am MKAD und Straßen/Fußgängerzonen innerhalb des Gartenrings) in den letzten Jahren.

Ebenso beeindruckt mich immer wieder das hohe Engagement und die hohe Professionalität auch der jüngeren russischen Generation in der Zusammenarbeit. Dies ist die beste Grundlage für eine positive Weiterentwicklung Russlands.

Auch die der Vorgehensweise eines Wirtschaftsunternehmens vergleichbar betriebene Arbeit der regionalen Entwicklungsgesellschaften um die Regionen zu entwickeln und Investoren zu gewinnen ist beeindruckend und wird sich mittelfristig sehr positiv auswirken.

Persönlich beeindruckt mich immer wieder das Mittragen von gesamtwirtschaftlichen und politischen Belastungen Russlands durch die russische Bevölkerung, auch bei persönlichen Nachteilen, und die Schaffenskraft, die trotz allen Herausforderungen das Land schrittweise entwickelt und verbessert.


Bild-Daniel-Kiefer

Daniel Kiefer ist Standortleiter von THOST Russia Projektmanagement. Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Immobilien und Bauwirtschaft der deutsch-russischen Auslandshandelskammer.

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