Die Schweizer Investitionen in den GUS-Staaten – noch ausbaufähig?

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Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat die Schweiz weltweit insgesamt 1.260 Milliarden Schweizer Franken investiert, dazu gehören auch die Investitionen in den GUS-Staaten mit einem allerdings eher bescheidenen Betrag von 35 Milliarden Schweizer Franken (Schweizer Schätzungen). Letztere konzentrieren sich vor allem auf Russland und speziell die Regionen um Moskau, Sankt Petersburg und Kasan, sowie auch auf die Ukraine und Kasachstan.

Das Interesse der Schweizer an den GUS-Staaten ist aus historischen, ökonomischen und sprachlichen Gründen relativ gering. Dennoch ist die schweizerische wirtschaftliche Aktivität in diesem strategischen Gebiet in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegen. Die GUS-Staaten umfassen einen Markt von 350 Millionen Einwohnern und bieten Kapitalrenditen, die im Allgemeinen höher sind, als die in Westeuropa. In Kasachstan und Aserbaidschan positioniert sich die Schweiz auf dem dritten und vierten Platz im Investorenranking; in Weissrussland, Tadschikistan und Ukraine auf dem siebten, auf dem neunten Platz in Russland und auf dem zehnten Platz in Armenien.

Die Schweizer Investitionen können grob in die folgenden Rubriken aufgeteilt werden: Die größten Investitionen kommen von den aus der Schweiz stammenden multinationalen Unternehmen, die global und strategisch denken und in den GUS-Volkswirtschaften gut integriert sind. Traditionelle multinationale Gesellschaften wie Nestlé, Novartis, Roche, ABB, Holcim-Lafarge, Panalpina und einige weitere in der Schweiz domizilierte Unternehmen, wie Glencore oder Philipp Morris, treten als aktivste Investoren in den GUS-Staaten auf.

Dank ihrer wichtigen Rolle in der Unterstützung und der Erweiterung der lokalen Wirtschaft genießen diese „Multis“ hohe Anerkennung und können von einer Sonderbehandlung durch die Behörden profitieren, welche bürokratische Hindernisse und Problemen abbaut oder sogar eliminiert.

Lediglich ein verschwindend kleiner Teil der Investitionen in den GUS-Staaten kann Schweizer KMUs zugerechnet werden. Aus 50.000 international (Fokus auf die EU) tätigen KMUs, sind lediglich 250 an der Zahl in den GUS-Staaten vertreten und die Investitionen pro Unternehmen belaufen sich auf weniger als 1 Million Schweizer Franken. Es stellt sich die Frage, was die Gründe für diese Zurückhaltung sind. Trotz brachliegendem Potential und lockenden potentiell höheren Profiten scheinen Investitionen in den GUS-Staaten für Schweizer KMUs in deren Perzeption noch immer riskanter als Investitionen in der EU, in den Vereinigten Staaten oder im Fernen Osten. Um in den GUS-Staaten investieren zu können, ist für die kleinen und mittleren Unternehmen eine komfortable finanzielle Situation sowie die Verfügbarkeit personeller Ressourcen besonders wichtig, weil die Kapitalrendite dort traditionell etwas Zeit brauchen.

Die Investitionsart dieser Unternehmen hängt vom Ort und den konkreten Umständen ab und kann somit sehr stark variieren. Der Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler baute zum Beispiel 2013 in Minsk ein Werk zur lokalen Produktion, um die GUS-Staaten weiter zu erschließen. Es wird aber auch in Agrarflächen investiert, um landwirtschaftliche Produkte, Wein oder Käse herzustellen.

In diesem Zusammenhang sind jedoch nicht nur Investitionen der Unternehmensseite zu nennen, auch die Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft des Bundes „Swiss Investment Fund for Emerging Markets (SIFEM)“ engagiert sich für die Stärkung des Privatsektors, sprich KMUs, im Bereich Osteuropa und GUS. Das Portfolio in dieser Region umfasst aktuell zehn Projekte, unter anderem auch das der AccessBank Azerbaijan. Die Hälfte der SIFEM-Mittel dort wird dabei Antragstellern aus dem Landwirtschaftssektor zugänglich gemacht, um damit die Diversifizierung der Wirtschaft im Land zu fördern.

Ersichtlich wird, dass sowohl vonseiten privater Akteure als auch dem Schweizer Staat Interesse an soliden Beziehungen mit den GUS-Staaten herrscht. Die Weichen sind gestellt, nun gilt es für die Zukunft die bestehenden Chancen intensiver zu nutzen und den gegenseitigen Austausch zu forcieren.

Gastautoren: Pierre Helg und Nina Fois, Quorus GmbH

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