Lebensmittelindustrie in Russland – Auswirkungen der Importverbote auf die regionale Produktion

Die Importverbote für bestimmte Lebensmittel und Agrarprodukte aus der EU sowie den USA, Kanada, Australien und Norwegen, wurden bis Ende 2019 verlängert.

Die im August 2014 als Gegensanktionen erlassenen Importverbote hatten diverse Auswirkungen auf den russischen Markt, und führten zum Beispiel zu Engpässen von Rohmilch für die Erzeugung von Käse oder Quark. Da Hersteller aus dem Ausland den russischen Markt nicht mehr beliefern konnten und ausländische Marken aus den Supermärkten verschwanden, mussten russische Verbraucher auf lokale und qualitativ unterlege Milchprodukte zurückgreifen. Die verringerte Konkurrenz auf dem Markt und der Mangel an hochwertigen Produkten bot eine Chance für russische Unternehmer die Sanktionen für sich nutzten.

cheese-1476708579mJE

So zum Beispiel der Unternehmer Iwan Iwanowitsch Artjuch, der in Neman in Kaliningrad 2015 eine Käserei gründete, um dort Schweizer Käse herzustellen. Mittlerweile produziert seine Käserei zehn verschiedene Sorten, unter anderem Emmentaler und Tilsiter, und liefert einen großen Teil der Produkte nach Moskau.

Oleg Sirota kann eine ähnliche Erfolgsgeschichte erzählen. Ebenfalls 2015 gründete der ehemalige IT-Fachmann eine Käserei 45 Kilometer außerhalb von Moskau. Die Käserei spezialisiert sich besonders auf die Produktion von Russischem Parmesan und verkaufte 2018 130 Tonnen Käse.

Seit dem Inkrafttreten des Importverbots stieg die lokale Käseproduktion um 40 % an und gleichzeitig wurden Importe halbiert. Aber nicht nur die Produktion, sondern auch die Struktur des Marktes ändert sich allmählich. Seitdem der Import vieler Lebensmittel gestoppt wurde, wächst in Russland das Bewusstsein für regionale Produkte und es entstehen immer mehr Bio-Läden, welche in Russland erzeugte Lebensmittel anbieten.

Die russische Regierung fördert im Rahmen der Importsubstitution lokale Produzenten mit Subventionen, mit dem Ziel Russlands Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Dabei sollen grundlegende Branchen aufgebaut und modernisiert werden. 2018 wurden etwa 28,5 Millionen Euro für die Subventionen zur Verfügung gestellt und die Lebensmittelproduktion stieg allein von Januar bis Mai 2018 um 3,2%. Bis 2020 soll Russland laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums zum Nettoexporteur von Lebensmitteln werden.

Auch die Fleischerzeugung soll expandieren. Russlands größter Schweinefleischproduzent, Holding Miratorg, gab an die Produktion von 2017 auf 2018 um 1,9% gesteigert zu haben und kündigte Investitionen von mehreren 100 Mio. € zur Erweiterung der Produktionskapazität an. Der Trend zu Investitionen in Millionenhöhe zur Expansion der Produktion ist in der gesamten Lebensmittelindustrie zu beobachten.

Like and share this post on social media:
error

1 thought on “Lebensmittelindustrie in Russland – Auswirkungen der Importverbote auf die regionale Produktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Follow by Email
Facebook
Facebook
LinkedIn