7 Fragen: Sofia Treus von der Kleffmann Group über Trends im russischen Agrarmarkt

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© Kleffmann Group

Die Kleffmann Group ist der führende internationale Anbieter von Agrarmarktforschungsdienstleistungen, der 1990 in Deutschland gegründet wurde.

Im Interview spricht die Geschäftsführerin für Russland, Sofia Treus, mit uns über Innovationen in der Landwirtschaft, was den russischen Agrarsektor kennzeichnet und wie die Zukunftsperspektiven aussehen.

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  1. Wie lange sind Sie bereits auf dem russischen Markt tätig und welche Services bieten Sie hier an?

Die Kleffmann Group ist auf landwirtschaftliche Marktforschung mit einer Reihe innovativer Methoden und Werkzeuge spezialisiert. Seit 1992 ist das Unternehmen in Russland präsent.

Als Full-Service-Research-Agentur bietet die Kleffmann-Gruppe ihren Kunden Schlüsselinformationen für verschiedene landwirtschaftliche Sektoren an, von einem globalen Netzwerk von Farmer Input Panels bis hin zu syndizierten und maßgeschneiderten Ad-hoc-Forschungsstudien. Wir liefern nicht nur Daten, sondern wandeln sie auch in Erkenntnisse um, die den Kunden helfen, die Informationen zu erhalten, die für die Entfaltung des vollen Potenzials ihres Unternehmens erforderlich sind.

  1. Welche Innovationen sehen Sie aktuell im Agrarsektor?

Landwirtschaft ist von Natur aus eine ziemlich konservative Art menschlicher Tätigkeit, da sie immer noch stark von der Natur abhängig ist. Ähnlich wie in anderen Bereichen sind die Innovationsmotoren wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen. In diesem Zusammenhang sind zwei Bereiche als Innovationsfelder zu nennen.

Der erste ist die Auswahl an Saatgütern: neue Hybride, die resistent gegen Unkraut und Krankheiten sind und gleichzeitig hohe Erträge erbringen können. Die Herstellung von sogenannten „technologischen Sorten“, die selektiv gegen spezifische Herbizide resistent sind. In diesem Zusammenhang sind auch Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zu nennen, die immer noch Gegenstand heißer Diskussionen sind, aber dennoch als revolutionäres Produkt für die Landwirtschaft betrachtet werden sollten.

Der zweite Bereich, in dem Innovationen sichtbar sind, ist das Agrarmanagement. Zahlreiche Methoden der Präzisionslandwirtschaft (Precision Farming, PF) helfen Landwirten dabei, jede Phase ihrer Arbeit zu optimieren, angefangen mit der Aussaat und Düngung der Kulturpflanzen bis hin zur Fernsteuerung von landwirtschaftlichen Geräten und der Viehverfolgung.

  1. Wie ist die Landwirtschaft in Russland strukturiert?

Laut Rosstat wird die landwirtschaftliche Produktion in Russland gleichermaßen in Kulturpflanzen und Tierhaltung unterschieden. Beide Segmente zeigen nach wie vor eine unausgewogene Entwicklung

Im Ackerbau ist Getreide auch der absolute Führer und Haupttreiber des Wachstums. Heute ist Russland der zweitgrößte Getreideexporteur der Welt nach den USA mit steigender Tendenz. Auf der anderen Seite deckt Obst und Gemüse, das in den letzten Jahren leicht gestiegen ist, die lokale Nachfrage noch nicht.

In der Tierhaltung hat die russische Schweine- und Geflügelproduktion in den letzten Jahren ein deutliches Wachstum gezeigt, sodass Russland in diesen Produkten zur Selbstversorgung kam. Gleichzeitig sind Rind- und Milchprodukte immer noch stark vom Import abhängig.

  1. Wodurch unterscheidet sich der russische Agrarsektor von dem in anderen Ländern?

Zunächst einmal ist es die riesige Größe des Landes. Die Folge ist eine klimatische und wirtschaftliche Heterogenität, die sich direkt auf die lokale Entwicklung der Landwirtschaft auswirkt.

Russland kann praktisch in zwei Teile geteilt werden. Der westliche Teil umfasst das Gebiet bis zum Ural sowie den Süden des Landes – Krasnodar, Stawropol und Rostow sowie die zentrale Schwarzerde- und die Wolga-Region. Dies ist eine Zone intensiver Landwirtschaft, in der die Bevölkerungs- und Pflanzdichte sehr hoch ist und das Klima und die Böden es ermöglichen, hohe Erträge zu erzielen.

Was die Osthälfte betrifft, so ist dies West- und Ostsibirien. Hier sind die Bedingungen für die Landwirtschaft viel rauer (kurze Vegetationsperiode, schlechte Böden). Die Ausnahme ist der Ferne Osten, wo etwa 50% aller in Russland produzierten Sojabohnen angebaut werden.

Das zweite Unterscheidungsmerkmal des russischen Marktes ist heute die Eigentümerstruktur und die anhaltende Konzentration des Agrarsektors.

Die Kleffmann-Gruppe, die weltweit auf dem Agrarmarkt forscht, hat ein vollständiges und zuverlässiges Bild in diesem Segment. In den meisten Ländern ist unser typischer Befragter der Besitzer einer relativ kleinen Farm, die häufig bereits seit mehreren Generationen von derselben Familie bewirtschaftet wird. Er ist der Eigentümer, der alle notwendigen Entscheidungen trifft und den Gewinn aus seiner Tätigkeit erhält.

Die gegenwärtige Situation in Russland ist völlig anders. Die dominierenden Marktteilnehmer sind berühmte „Agrar Holdings“, die Dutzende von Farmen von einer Zentrale aus steuern. In einer solchen Struktur ist ein Agronom nur ein Angestellter, der ein Gehalt erhält und wenig Entscheidungsfreiraum hat.

Das Bild kann sich je nach Marktsegment (Ackerbau, Vieh) leicht unterscheiden, insgesamt gilt das zuvor beschriebene Marktumfeld jedoch für die gesamte Industrie.

  1. Welche Produkte werden hauptsächlich in Russland angebaut und in welchen Regionen?

Die führende Position im Bereich der Feldfrüchte gehört dem Getreide, wo Winterweizen der Champion ist. Den amtlichen statistischen Daten zufolge wurden im Jahr 2018 fast 40 Millionen Hektar an Getreide ausgesät. Diese Kulturen werden fast im ganzen Land angebaut.

Seit vielen Jahren gilt die Sonnenblume als die rentabelste Pflanze in Russland. Die Anbaufläche wächst stetig und erreichte im vergangenen Jahr acht Millionen Hektar. Die für Anbau von Sonnenblumen günstigen Regionen sind der Süden, die zentrale Schwarzerde- und die Wolga-Region.

Konstantes Wachstum zeigen Sojabohnen. In den letzten fünf Jahren hat die Anbaufläche von Sojabohnen um 49% zugenommen. Im Jahr 2018 stieg das Wachstum von Sojabohnen um 13%. Der wichtigste Produzent von Sojabohnen war traditionell die Fernostregion. Wie bereits erwähnt, entfallen immer noch über 50% der Fläche auf diese Region, aber in letzter Zeit sind andere hinzugekommen. Besonders hervorzuheben ist die zentrale Schwarzerde-Region, auf die 25% der gesamten Anbaufläche entfallen.

  1. Nach der Einführung der US- und EU-Sanktionen gegen Russland hat die russische Landwirtschaft einen Aufschwung erlebt. Was sind Ihre Prognosen für die Zukunft?

In der Tat ist seit 2014 in Russland ein stetiges Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion zu verzeichnen. Der Anstoß für dieses Wachstum war zum Teil die Umsetzung von Sanktionen der EU und der USA. Dadurch entstandene Versorgungslücken mussten gefüllt werden. Infolgedessen wurde die lokale Produktion in vielen landwirtschaftlichen Segmenten vorangetrieben. Heute ist Russland in Bezug auf Mehl, Zucker, Sonnenblumenöl, Geflügel, Schweinefleisch und eine Reihe anderer Produkte völlig autark.

Es scheint jedoch, als sei die Wirkung der Sanktionen als Motor für die Entwicklung der lokalen Industrie beinahe erschöpft. Das weitere Wachstum der Landwirtschaft in Russland wird von allgemeinen Faktoren wie der Binnennachfrage und den internationalen Marktbedingungen bestimmt.

  1. Was motivierte Sie persönlich, im Agrarsektor tätig zu werden?

Da ich zuvor in einer anderen Industrie gearbeitet habe, ist die Landwirtschaft für mich eine völlig neue Welt, die mir für jeden Menschen sehr wichtig und notwendig erscheint. Es ist eine reizvolle Aufgabe.

Selbst wenn Sie strikter Anhänger eines äußerst gesunden Lebensstils sind, beginnen Sie den Tag immer noch mit dem Frühstück und beenden ihn mit dem Abendessen. Es ist der Bauer, der die Produkte hierfür jedem von uns bereitstellt.

Indem wir landwirtschaftlichen Erzeugern vollständige und verlässliche Marktinformationen zur Verfügung stellen, helfen wir ihnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Landwirte leisten eine sehr schwierige Arbeit. Wir unterstützen Sie dabei, bessere Produkte für alle Bewohner der Erde herstellen zu können.


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Sofia Treus ist Managing Director der Kleffmann Group in Russland. Vor fünf Jahren trat sie der russischen Tochtergesellschaft der KG bei. Seitdem ist sie für die Kundenbetreuung vor Ort zuständig.

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