Automatisierung in der Landwirtschaft, Lebensmittel- und Pharmaindustrie in Russland – 7 Fragen an Wolfgang Köstler von Plaut Consulting

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Plaut ist ein branchenorientierter, betriebswirtschaftlicher Berater mit einer lösungsorientierten IT-Implementierung. Das Unternehmen ist in den Bereichen Public Sector, Wholesale Distribution, High Tech, Professional Services, Banking, Insurance, Food, Life Science & Healthcare, Telecommunications & Media, Travel & Logistics, Utilities und vielen anderen aktiv. Mit mehr als 280 Mitarbeitern ist die Beratungsgruppe Plaut in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie in den CEE- und GUS-Staaten Rumänien, Tschechien, Polen und Russland vertreten. Seit September 2011 ist Plaut Teil der msg systems Gruppe.


1. Plaut ist seit 2010 in Russland vertreten. Was brachte Ihr Unternehmen damals zu dem Schritt und welches Potential sehen Sie heute für Unternehmen, die vor der Entscheidung stehen sich in Russland niederzulassen?

Die Antwort hier ist ganz einfach. Erstens hat Russland sehr großes Potenzial in allen Bereichen der Wirtschaft an sich, nicht nur in der IT Welt. Und zweitens hatten wir aufgrund unserer Kunden, die zu einem hohen Prozentsatz ebenfalls bereits in Russland engagiert waren, erhöhte Nachfrage nach Betreuung vor Ort in Russland.
Auch heute hat sich am Potential Russlands wenig geändert. Das Potential ist unvermindert hoch in vielen Bereichen der Wirtschaft. Stichworte sind vor allem Lokalisierung, Modernisierung und Digitalisierung. Ich bin sicher, dass sich in diesem Umfeld für sehr viele Industrien Chancen in Russland bieten.

2. Seit 2010 sind Sie Managing Director von Plaut in Russland. Was finden Sie besonders herausfordernd und was sind die größten Unterschiede zu einer Management Position in Österreich?

Ich denke jede Führungsposition ist immer herausfordernd, egal in welcher Funktion oder in welchem Land. Hier in Russland kommt die sprachliche Hürde dazu, wenn man ohne russischen Sprachkenntnissen beginnt und eine Firma aufbaut. Heute sind wir immerhin ein Unternehmen mit 120 Mitarbeitern und 3 Standorten in Russland.  Jeder Tag bietet neue Herausforderungen und Chancen. Da in meiner Erfahrung die Kulturen in Österreich, Osteuropa und Russland nicht so unterschiedlich sind, habe ich keine bemerkenswerten Unterschiede als Manager festgestellt. Consulting is People Business, die SAP Welt ist international und damit gibt es, abgesehen von der Sprache, keine anderen Herausforderungen als irgendwo anders.

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3. Die in Kooperation mit SLA Software Logistik Artland GmbH entwickelte Meat Solution Suite für SAP soll Automatisierung in der Fleischverarbeitung ermöglichen. Warum ist gerade Russland dafür ein interessanter Markt?

140 Millionen Bürger essen eine Menge an Fleisch und Fleischprodukte und aufgrund der politischen Situation mit Sanktionen und Gegensanktionen, ist für die lokalen Produzenten ein großer Optimierungsbedarf gegeben und auch vorgegeben, vor allem puncto Automatisierung und Optimierung der Produktion. Basierend auf SAP im Zusammenspiel mit der SLA Automatisierungstechnik ist es uns gelungen hier Lösungen für diesen Bereich anzubieten.

4. Welche Chancen bietet Russland als Markt für Lösungen zur Automatisierung landwirtschaftlicher Prozesse, gerade im Hinblick auf die aufgrund von Importverboten zunehmende Eigenproduktion von Fleisch und landwirtschaftlichen Erzeugnissen?

Eine sehr große, da alle Produzenten hier Ihre Automatisierung und Kostenstruktur und Optimierungsmöglichkeiten kritisch hinterfragen und Werkzeuge zur Verbesserung benötigen. Die Importverbote haben hier entscheidend dazu beigetragen, dass lokale Produzenten, egal ob rein russisch oder mit ausländischer Beteiligung , mehr Investitionen für dieses Thema bereitstellen und genehmigen als es sonst der Fall gewesen wäre.

5. Eine Ihrer Schlüssel-Industrien ist die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Auch dieser Sektor ist vom Importverbot betroffen. Welche Lösungen und Services Ihres Unternehmens in der Branche sind seitdem besonders gefragt?

In diesem Bereich ist die Lokalisierung sehr weit fortgeschritten. Fast alle namhaften internationalen Anbieter haben Produktionsstätten in Russland und haben auch in Russland SAP implementiert. Daher können wir alle unsere Serviceleistungen gut platzieren. Eine spezielle und sehr hoch nachgefragte Lösung ist die direkte Anbindung der jeweiligen SAP Systeme an das staatliche Mercury System, sodass Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit des Herstellungsprozesses garantiert werden kann.

6. In Russland bieten Sie im Gegensatz zur DACH Region auch Lösungen in der pharmazeutischen Industrie. Gibt es bei in Russland tätigen Pharmaunternehmen einen besonderen Bedarf an IT Lösungen?

Ja, vor allem im Bereich der Medikamenten und Generika Produktion, wo auch das Thema Rückverfolgbarkeit große Aktualität hat und die Anbindung an die staatliche Markirovka Datenbank zu erfolgen hat. Aufgrund der umfangreichen und differenzierten Vorschriften, hat jedes in Russland produzierende Pharma Unternehmen differenzierte Anforderungen darüber wie diese Track and Trace Lösungen in den bestehenden SAP und IT Landschaften abgebildet werden müssen.

7. Welche Anforderungen und Entwicklungen gibt es im russischen Pharmamarkt im Vergleich zur DACH-Region?

Russlands Pharmamarkt und Produktion wird, wie es bereits in DACH und den USA erfolgt ist, stärker reguliert, um die Qualität  lokaler Produkte sicherzustellen.
Daher ist der russische Pharmamarkt gar nicht so unterschiedlich wie es scheinen mag.


Wolfgang-Koestler.jpgWolfgang Köstler ist seit 1999 im SAP-Geschäft tätig und hatte verschiedene Führungspositionen in Österreich, Deutschland, Osteuropa und Russland inne. Seit 2006 ist er auf russische SAP-Praktiken spezialisiert und damit Partner von Plaut in Russland. Derzeit ist er Managing Partner von Plaut in Russland und der GUS. Er ist verantwortlich für die Entwicklungsstrategie und das operative Geschäft des Unternehmens in den Bereichen Lebensmittelindustrie, Pharma und internationale branchenübergreifende Projekte.

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