Russlands Afrika-Mission – Welche Pläne hat Russland in Afrika und wie könnte die Zusammenarbeit aussehen?

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Geheimdokumente über Russlands Pläne in Afrika

Am Dienstag veröffentlichte die britische Tageszeitung „The Guardian“ einen Artikel über Russlands Pläne in Afrika. Der Artikel basiert, laut Angaben der Tageszeitung, auf geleakten russischen Geheimdokumenten, die dem Dossier Center, einer Untersuchungseinheit mit Sitz in London, zugespielt wurden. Das Center wird von Michail Chodorkowski finanziert, einem im Exil lebenden russischen Unternehmer und Kreml-Kritiker.

Laut The Guardian, versucht Russland in mindestens 13 afrikanischen Staaten Beziehungen aufbauen und zu vertiefen, Militärdeals abzuschließen und „Führungspersönlichkeiten“ und „Undercover-Agenten“ auszubilden. In 20 afrikanischen Ländern gibt es bereits militärische Kooperationsverträge mit Russland. Die Vorhaben auf dem Kontinent sollen vor allem den Einfluss der USA und der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien eindämmen und „pro-westliche“ Aufstände abwehren.

Geleitet werden die Afrika-Operationen von Yevgeny Prigozhin, einem Geschäftsmann und engem Vertrauten Putins, der von US-Behörden beschuldigt wird, sich über sein Unternehmen in die US-Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt zu haben. Laut Anschuldigungen der USA hat Pigozhins „Trollfabrik“ eine umfangreiche Social-Media-Kampagne durchgeführt, um Donald Trump bei der Wahl zu unterstützen.

Laut The Guardian, hat Russland bisher die engsten Beziehungen mit der Zentralafrikanische Republik, Sudan und Madagaskar, gefolgt von Libyen, Zimbabwe und Südafrika. Auch mit dem Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo, Tschad und Sambia bestehen bereits Kooperationen. Erst am 24. Mai kündigte der Putins Pressesprecher Dimitri Peskow an, dass der Kreml ein Team von Militärspezialisten in die Demokratische Republik Kongo entsenden werde. Abgesehen von Militärkooperationen und Beziehungen zu lokalen Machthabern, thematisieren die Dokumente auch die Gründung von Russischen NGOs in den afrikanischen Staaten, die Organisation von lokalen Treffen und außerdem Vorschläge zum Bau einer Trans-Afrikanischen Straße und Bahnstrecke.

Kritik zum Beitrag von russisch finanzierten Medien

Kritik zum Beitrag kam prompt von „RT“, einer von der Russischen Föderation finanzierten Medien-Gruppe. In einem von RT publiziertem Beitrag, kritisierte die Gruppe vor allem, dass die Dokumente auf welche sich The Guardian bezieht, der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden. Außerdem sei Russlands „friedenserhaltende Präsenz“ auf dem afrikanischen Kontinent nur minimal im Vergleich zur militärischen Präsenz anderer Länder. Dabei wurden allen voran die USA als Beispiel genannt: Während Russland in Afrika keine Militärbasen hat, besitzt die USA mindestens 25 erklärte Militärbasen auf dem gesamten Kontinent. Auch der Autor des Artikels wurde kritisiert, da dieser schon früher „Verschwörungstheorien“ über die Russische Einmischung in US Wahlen ohne jegliche Beweise verfasste.

Russland-Afrika Gipfel im Oktober 2019

Generell lässt sich festhalten, dass Russland sich um Beziehungen mit den afrikanischen Staaten bemüht. Am 28. Mai gab die Präsidialverwaltung des Kremls auf ihrer Website offiziell bekannt, dass Sotschi Gastgeber des Russland-Afrika-Gipfels unter dem gemeinsamen Vorsitz des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin und des Präsidenten der Arabischen Republik Ägypten Abdel Fattah el-Sisi, der auch die Afrikanische Union leitet, sein wird. Dies ist die erste Veranstaltung dieser Ebene in der Geschichte der russisch-afrikanischen Beziehungen, zu der die Staats- und Regierungschefs aller Staaten des afrikanischen Kontinents sowie die Leiter wichtiger subregionaler Verbände und Organisationen eingeladen wurden. Es werden etwa 50 afrikanische Staats- und Regierungschefs erwartet.

Das Gipfeltreffen wird vom 22. bis 24. Oktober stattfinden und sich auf Perspektiven der Beziehungen Russlands zu den afrikanischen Ländern, sowie den Ausbau der politischen, wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Zusammenarbeit konzentrieren. Am Ende des Treffens soll eine politische Erklärung zu den Schlüsselbereichen der russisch-afrikanischen Zusammenarbeit verabschiedet werden. Am 23. Oktober wird außerdem ein Wirtschaftsforum eröffnet, an dem russische und afrikanische Beamte und Vertreter wichtiger Unternehmen teilnehmen sollen.

Russland und Afrika – Diplomatische Beziehungen  und wirtschaftliche Zusammenarbeit

Dass Russland seinen Blick gen Afrika richtet, macht Sinn. Nachdem Moskaus politische Entscheidungen in der Ukraine und Syrien zur diplomatischen Isolation Russlands von Europa und den USA führten, muss das Land sich nach neuen Verbündeten umsehen. So will Russland Partnerschaften auf dem afrikanischen Kontinent aufbauen und abgesehen von diplomatischen Beziehungen und militärischer Unterstützung auch in verschiedene Sektoren investieren.

Russland profitiert dabei, abgesehen vom gewonnenen politischen Einfluss, durch wirtschaftliche Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Bergbau, Verkehr, Infrastruktur, Bauwesen, Industrie, Landwirtschaft und Tourismus. In Äthiopien setzt Russland sich beispielsweise bereits verstärkt für die Entwicklung einer Kernenergieanlage ein und in Simbabwe werden derzeit Investitionen im Bergbau zur Erschließung von Platinmetallen getätigt.

Darüber hinaus investiert Russlands in Afrika in den Öl-, Gas- und Kernenergiesektor. Staatliche russische Unternehmen wie Gazprom, Lukoil, Renova, das Aluminiumunternehmen Rusal und die staatliche Diamantenfirma Alrosa sind in mehreren Gebieten und Domänen auf dem Kontinent tätig.

In der ersten Jahreshälfte 2018 belief sich der Handelsumsatz auf rund 10,5 Milliarden US-Dollar und die kumulierten russischen Investitionen in Afrika von 2003 bis 2017 auf 17 Milliarden US-Dollar.

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