Das erste Kaspische Wirtschaftsforum – Verstärkte Zusammenarbeit, Investitionen und die Förderung von Öl und Gas

Quelle: Caspan Economic Forum Avaza


Am Montag trafen sich Vertreter der fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres – Russland, Iran, Kasachstan, Aserbaidschan und Turkmenistan – in der turkmenischen Küstenstadt Avaza zum ersten Kaspischen Wirtschaftsforum. Das Forum fand im Rahmen des im Vorjahr unterzeichneten Übereinkommens zu Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den fünf Ländern statt.

Multilaterales Abkommen zur Nutzung der Ressourcen im Kaspischen Meer

Bereits am 12. August 2018 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs von Russland, Iran, Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan ein Abkommen, das die Nutzung der Ressourcen im Kaspischen Meer regeln sollte. Die Ausarbeitung des Übereinkommens erfolgte seit 1996. Allerdings wird die Aufteilung des Meeresbodens, der reiche Öl- und Gasfelder enthält, weiter verhandelt.

Russland und der Iran haben das Abkommen bisher noch nicht ratifiziert. Der russische Premierminister Medwedew teilte während des diesjährigen Forums allerdings mit, dass die Ratifizierung durch Russland „in naher Zukunft“ erfolgen wird. Der russische Präsident Wladimir Putin legte das Dokument im Juli zur Ratifizierung durch die Staatsduma vor.


Agenda des ersten Kaspischen Wirtschaftsforums 2019

Ziel des ersten Kaspischen Wirtschaftsforums war es, Wirtschafts-, Handels- und Investitionszusammenarbeit zwischen den fünf kaspischen Staaten zu verbessern und wichtige politische Entscheidungen durch, für beide Seiten vorteilhafte, Projekte zu ergänzen.

Zu den diskutierten Themen gehörte die Realisierung neuer Investitionsprojekte im kaspischen Raum, die Intensivierung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen einschließlich der Schaffung von Bedingungen für die Entwicklung und Durchführung von Großprojekten, die Erhöhung Wichtigkeit der Wirtschaft der kaspischen Region im globalen Kontext, und Steigerung des Wachstums, insbesondere in den Bereichen Industrie, Energie, Handel und Tourismus.

Auch Herausforderungen der Region bezüglich Umweltfragen oder unkontrollierte Migration und Bedrohungen durch Terrorismus, Drogenhandel und organisierte Kriminalität wurden thematisiert. „Wir sollten uns der Verantwortung bewusst sein, die auf allen kaspischen Staaten liegt“, äußerte sich der russische Premierminister Dmitri Medwedew hierzu (Quelle: tass).

Während des Forums betonten die teilnehmenden Minister der kaspischen Staaten immer wieder, dass Wachstum, Sicherheit und Zusammenarbeit in der Region von den Ländern selbst geregelt und nicht von außen beeinflusst werden solle.

Der iranischen Vizepräsident Eshaq Jahangiri ging in seiner Rede vor allem auch auf die unilaterale Politik der Vereinigten Staaten und damit zusammenhängende Drohungen und Sanktionen ein, die die „Sicherheit in der Region gefährden“, und betonte, dass „die Sicherheit der Region […] nur von regionalen Ländern gewährleistet werden [solle]“. (Quelle: Daily Sabah)


Tourismus am und um das Kaspische Meer

In Bezug auf das enorme touristische Potenzial der Region um und am Kaspischen Meer, wies der russische Premierminister Dmitri Medwedew auf die Wichtigkeit hin, neue Infrastrukturen aufzubauen, um den Tourismus am kaspischen Meer zu fördern und das Potential auszuschöpfen. „Nach Schätzungen von Experten kann die kaspische Küste jährlich mindestens eine Million Touristen empfangen, was viel mehr ist als heute“, stellte Medwedew fest. „Dennoch bleibt in dieser Hinsicht noch viel zu tun, nämlich den Aufbau der fehlenden Infrastruktur und die Schaffung eines wettbewerbsfähigen Tourismusprodukts, einschließlich Seereisen mit Besuchen in Hafenstädten“, fügte er hinzu. (Quelle: tass)


Enormes Potential an Rohstoffen – Ressourcen in Form von Öl und Gas

Schätzungen zufolge enthält das Kaspische Meer rund 50 Milliarden Barrel Öl und neun Billionen Kubikmeter Gas. Richtig genutzt, könnten diese Ressourcen Billionen von Dollar wert sein. Allerdings kam es, besonders zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan, bisher zu keiner Einigung wie die Reserven unter dem Meeresboden aufgeteilt werden sollen. Das behindere vor allem den Baufortschritt der transkaspischen Erdgasleitung, die turkmenisches Gas über das Meer nach Aserbaidschan und weiter zu den westlichen Märkten transportieren soll. Während der Westen den Bau einer transkaspischen Erdgasleitung, im Rahmen der Diversifizierung der Energiequellen, fördert, verfolgen Russland und der Iran die Pläne mit Unbehagen. Mehr Energieexporte aus dem Kaspischen Raum würden mit Energielieferungen aus Russland konkurrieren.


Ausblick

Derzeit konnten politische Spannungen, vor allem im Zusammenhang mit territorialen Streitigkeiten zwischen den südlichen Meeresstaaten Iran, Aserbaidschan und Turkmenistan noch nicht vertraglich gelöst werden. Alle drei Länder, insbesondere der Iran, scheinen ihre Position im vergangenen Jahr gefestigt zu haben, so dass Projekte im Süden des Meeres auf absehbare Zeit unwahrscheinlich sind (Quelle: Foreign Brief).

Auch die wirtschaftlichen Probleme könnten mittel- und langfristig die Projekte zur Ressourcenausbeutung behindern. Keiner der fünf Staaten verfügt derzeit über die wirtschaftliche Stärke, um Investitionen in der Region signifikant voranzutreiben. Bedeutende ausländische Investitionen sind, im Hinblick auf von den USA verhängten Sanktionen gegen Russland und den Iran, derzeit ebenfalls unwahrscheinlich.

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