Holzimporte und Einschlagsrechte -Wie Chinas Rohstoffhunger mit den Waldbränden in Sibirien zusammenhängt

Vor zwei Jahrzehnten hat China begonnen kommerziellen Holzeinschlag in den eigenen Naturwäldern einzuschränken und importiert seitdem immer größere Mengen an Holz für den heimischen Markt. Ein großer Teil des Holzes kommt dabei auch aus Russland, wo der Holzeinschlag im Osten des Landes schwere Umweltschäden hinterlässt und die Wälder verwüstet. Die, durch die Abholzung entstandenen, Schäden werden mitunter für die schweren Waldbrände in weiten Teilen Russlands verantwortlich gemacht. Bei den jüngsten Bränden sind bereits über 13 Millionen Hektar Wald abgebrannt.

@ Igor Podgorny / Greenpeace

Chinas Bedarf an Holz

Seit der wirtschaftlichen Transformation Chinas in den letzten vier Jahrzehnten, steigt der Holzbedarf kontinuierlich, zusammen mit der weltweiten Nachfrage nach Sperrholz und Möbeln. China ist mittlerweile der größte Holzimporteur der Welt und der weltweit größte Exporteur von verarbeiteten Holzprodukten, die an Einrichtungskonzerne auf der ganzen Welt geliefert werden.

Der Gesamtwert der chinesischen Holzeinfuhren – Rohholz, Holz oder Zellstoff – hat sich seit dem Beginn der Einschränkung des Holzeinschlags in China im Jahr 1998 mehr als verzehnfacht und erreichte 2017 23 Milliarden Dollar, den höchsten Wert aller Zeiten, so der Global Trade Atlas von IHS Markit.

Russland als einer der wichtigsten Exporteure von Holz in China

Mehr als 500 chinesische Unternehmen sind in Russland tätig, oft mit russischen Partnern, so ein Bericht des Carnegie Moscow Center. Russland macht heute wertmäßig mehr als 20 Prozent der chinesischen Importe aus.

Allein in der ersten Jahreshälfte 2019 wurden 17,4 Millionen Tonnen Holz aus Russland von China importiert, so die Daten des Föderalen Zolldienstes. Im Jahr 2017 erreichten Chinas Holzimporte aus Russland sogar fast 200 Millionen Kubikmeter.

Außerdem verkauft Russland chinesischen Unternehmen Einschlagsrechte in Wäldern , auch über das gesetzlich Zulässige hinaus. Holzeinschlag wird in Russland weniger streng kontrolliert als in anderen Ländern, wie beispielsweise USA oder Kanada, und greift häufig in Gebiete außerhalb der zugewiesenen Grenzen ein. Auch das Fälschen von Aufzeichnungen, Holzfällen ohne Verträge und Brandstiftung – verbrannte Bäume können legal gepflückt und verkauft werden – gehören zu den Praktiken der Unternehmen, die Holz nach China exportieren.

Verschärft wird die Situation zusätzlich durch Korruption in der russischen Forstwirtschaft, Kriminalität und die mangelnde wirtschaftliche Entwicklung in Sibirien und Fernost, wo es in den meisten ländlichen Gebieten nur wenige Möglichkeiten gibt Geld zu verdienen.

Der Holzhandel mit China hat die Abhängigkeit Russlands von natürlichen Ressourcen unterstrichen und in vielen Städten der betroffenen Regionen Proteste gegen die verursachten Umweltschäden ausgelöst. Die Zerstörung der Waldlandschaften wird von Umweltschützern und Umweltschutzorganisationen stark kritisiert.

Reaktionen in Russland

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 15.August berichtete, kritisierte Dmitri Kobylkin, Russlands Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt, in einem Interview die unbefriedigende Haltung Chinas gegenüber dem Problem und sagte, Russland habe keine andere Wahl als Holzexporte nach China zu verbieten, solle Peking die Bemühungen zur Eindämmung des illegalen Holzeinschlags an der gemeinsamen Grenze nicht unterstützten.

Unterdessen wurde Kobylkins Drohung vom russischen Industrie- und Handelsminister Denis Manturov scharf kritisiert. „China ist der wichtigste Handels- und Wirtschaftspartner Russlands, und wir wollen den Handel ausbauen. Daher wären alle Beschränkungen bei Exporten oder Importen, auch im Holzhandel, unangebracht“, sagte Manturov in einem Kommentar an Sputnik.


Quelle: New York Times / Reuters / Urdupoint

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