Frauen in Führungspositionen – Russland hat die meisten Frauen im Topmanagement

@ KfW Research

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland, was Frauen in Führungspositionen angeht, hinterher. 2017 waren gerade einmal 28 Prozent der mittleren und höheren Führungspositionen in Deutschland von Frauen besetzt (Internationale Arbeitsorganisation (ILO), 2017).

In den Führungsetagen von Schweizer Unternehmen lag der Anteil der Frauen bei 30,5 Prozent und in Österreich bei 29,2 Prozent. Der durchschnittliche Anteil von Frauen in Führungspositionen lag in Europa, laut ILO, bei 31,4 Prozent

Laut KfW Research ist insgesamt die Wahrscheinlichkeit auf eine Frau zu treffen, „umso geringer je höher die Führungsposition und je größer das Unternehmen“.

@ Women in Business Report by Grant Thornton

Weitere Einblicke liefert der jährliche Women in Business Report des US-amerikanischen Beratungsunternehmens Grant Thornton. Laut dem Women in Business Report 2019, liegt der Anteil von Frauen im Topmanagement und Geschäftsleitung in der Europäischen Union bei 28 Prozent. Schlusslicht im internationalen Vergleich bildet die Region Lateinamerika mit einem 25 prozentigem Anteil von Frauen im Topmanagement, während Osteuropa mit 32 Prozent den höchsten Anteil aufweist.  

Laut der Studie, ist der Anteil von Unternehmen mit mindestens einer Frau im oberen Management weltweit auf 87 Prozent gestiegen, ein Anstieg von 12 Prozent im letzten Jahr. Insgesamt halten Frauen heute 29 Prozent der weltweiten Führungspositionen. Während dies in den letzten 15 Jahren der Forschung nur um 10 Prozent gestiegen ist, wurden die restlichen 5 Prozent in den letzten 12 Monaten erreicht.

Externe Faktoren wie die Erhöhung der organisatorischen Transparenz, die Berichterstattung über das geschlechtsspezifische Lohngefälle und die gut sichtbaren öffentlichen Dialoge tragen, laut Thorntons Report, dazu bei, die Unternehmen auf den notwendigen Wandel aufmerksam zu machen.

Doch während die Zahl der Frauen in der Führungsebene weltweit zunimmt, ist bis zum Topmanagement noch ein weiter Weg. Nur 15 Prozent der Unternehmen weltweit werden von einer Frau geleitet.

Russland im internationalen Vergleich weit vorne.

In Russland liegt der Frauenanteil im Topmanagement bei 41 Prozent. In kaum einem anderen Land der Welt bekleiden so viele Frauen eine Führungsposition wie hier.

Laut dem Women in Business Report, lag der Frauenanteil im Topmanagement in Russland 2018 bei 47 Prozent, was Russland zum Land mit dem weltweit höchsten Frauenanteil machte. Laut der Studie, lag der Anteil in Deutschland im gleichen Zeitraum bei gerade mal 18 Prozent. In 91 Prozent der russischer Unternehmen gab es zumindest eine Frau im Top-Management, während es in gerade einmal 75 Prozent der Unternehmen in Großbritannien, 79 Prozent der Unternehmen in Frankreich und 81 Prozent der Unternehmen in den USA mindestens eine Frau im Topmanagement gab.  

Laut dem Initiativkomitees zur Entwicklung weiblichen Unternehmertums des Unternehmerverbandes „Opora Rossii“, gibt es in Russland geschätzt 5,6 Millionen kleine und mittlere Unternehmer, von denen etwa ein Drittel Frauen sind. Laut der Analyse sei die Hälfte der angestellten Frauen bereit, sich selbstständig zu machen.

Erbe der Sowjetunion

Die starke Vertretung von Frauen in Führungspositionen ist ein Erbe der Sowjetunion. Plakate warben in der frühen Sowjetzeit mit entschlossen wirkenden Frauen für den Aufbau des Sozialismus und die Sowjetfrau war ganz selbstverständlich berufstätig – 52 Prozent der Arbeitskräfte in der Industrie waren weiblich und Frauen arbeiteten auch als Kranführerinnen, Automechanikerinnen und sogar im Bergbau. Um die Kinder keummerte sich waehrendessen der Staat. Von Montag bis Samstag wurden kostengünstig Hort- und Kindergartenplätze für die Kinder zur Verfügung gestellt.

Einschränkungen

Doch leider ist nicht alles Gold was glänzt. Auch wenn die Sichtbarkeit der Frauen in Russland deutlich höher ist als in anderen Länder und Frauen unternehmerisch erfolgreich sind und Führungspositionen bekleiden, bedeutet das nicht gleich das Frauen in Russland gleichberechtigt behandelt werden.

In Russland ist die geschlechtsspezifischer Lohnunterschied immer noch ein großes Thema: In den gleichen Berufen verdienen Frauen rund 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Außerdem dürfen Frauen in Russland per Gesetz mehrere hundert Berufe nicht ausführen. Gesetzlich verwehrt bleiben Frauen exakt 456 Berufe wie Holzfäller, Lokführer, Feuerwehrmann, Minenarbeiter, Berufstaucher, Lastwagenfahrer oder U-Bahn-Fahrer. Hintergrund des Verbots ist die Rolle der russischen Frau in der Sowjetunion, die in erster Linie als Mutter gesehen wurde. Die Gesetze sollten die Fruchtbarkeit der Frauen schützen und Ihnen die Ausübung vermeintlich gefährlicher Berufe verbieten.

Und während im professionellen Kontext, Frauen immer mehr wichtige Positionen in der Wirtschaft bekleiden, kämpfen viele Frauen in Russland im privaten Umfeld mit häuslicher Gewalt. Laut inoffiziellen Angaben der Seite domesticviolence.ru leiden mehr als 16 Millionen Frauen in Russland unter häuslicher Gewalt und nur 10% erstatten Anzeige.

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