Russland – der drittgrößte Kohleproduzent der Welt – will den asiatisch-pazifischen Markt erobern

Erst Ende letzten Monats wurde ein Treffen mit dem Regierungsminister und sieben Gouverneuren der wichtigsten Kohleförderregionen Russlands im Kreml am Vorabend des Tages des Minenarbeiters in Russland, abgehalten. Traditionell ist der Kohlebergbau für Russland eine Schlüsselindustrie und er soll auch in Zukunft eine nicht weniger wichtige Rolle spielen.

Großes Wachstum

In den letzten 10 Jahren hat Russland seine jährliche Kohleproduktion um mehr als 30% auf insgesamt 440 Millionen Tonnen gesteigert. Gleichzeitig sind die Investitionen in die Branche um 150% gestiegen. Russland ist heute der drittgrößte Kohleproduzent der Welt. Im ersten Halbjahr 2019 betrug die Kohleförderung im Land 212,1 Mio. Tonnen.

Auch zukünftig soll dieser Trend fortgesetzt werden. Das Energieministerium der Russischen Föderation plant im September, der Regierung ein aktualisiertes Programm zur Entwicklung der Kohleindustrie vorzulegen, das eine Steigerung der Kohleproduktion bis 2035 von derzeit 440 Millionen Tonnen auf bis zu 670 Millionen Tonnen vorsieht.

Hinter den Wachstumszahlen stehen eine Reihe neuer Kohleprojekte. Fast die Hälfte der derzeit 58 in Betrieb befindlichen russischen Kohlebergwerke wurde in den letzten 20 Jahren eröffnet. Und noch einige weitere sind in Vorbereitung, auch in der Arktis. Auf der Halbinsel Taymyr, dem großen Gebiet, das sich bis in die weite nördliche Karasee erstreckt, ist für die nächsten fünf Jahre ein Abbau von mehr als 25 Millionen Tonnen pro Jahr geplant.

Abnehmer aus Asien

Während die EU-Länder Kohle aktiv durch alternative Energiequellen ersetzen und die Preise sinken, orientiert sich Russland gen Osten. Denn nach Angaben der Tageszeitung Kommersant sind mehrere russische Unternehmen aufgrund schwindender Verkäufe nach Europa mit Defiziten konfrontiert. Besonders vielversprechend ist die Region Asien-Pazifik. Russische Kohleunternehmen versuchen deshalb aktiv den asiatisch-pazifischen Markt zu erobern, wo Preis und Nachfrage höher sind als in Europa.

Laut Schätzungen der Kohleindustrie könnte das Umschlagsvolumen über Häfen des Fernen Ostens in die asiatisch-pazifischen Länder bis 2024 um fast 40 % zunehmen und mindestens 125 Millionen Tonnen erreichen. Allerdings sind die Pläne zur Steigerung der Kohleexporte nach Osten vor allem mit der Entwicklung des Baikal-Amur- und des Transsibirischen Netzes verbunden.

Niedrige Preise und unzureichende Transportkapazität

Doch obwohl Kohlebergbauunternehmen in Russland theoretisch bereit sind, den Abbau von Kohle zu erhöhen und zu diesem Zweck bereits neue Lagerstätten im Land erschließen, kann die Produktionskapazität nicht ausgeschöpft werden. Niedrigere Preise für Kraftwerkskohle und die unzureichende Transportkapazität der Transsibirischen Eisenbahn in den Osten bremsen die Produktionssteigerung aus.

Beispielsweise wurden, nach Angaben der Abteilung für Kohleindustrie der Region Kemerowo, im Kuzbass bis Juli 2019 nur 141 Millionen Tonnen Kohle abgebaut – 2,8% weniger als im gleichen Zeitraum im Jahr 2018 und das obwohl die Kohlevorräte in der Region 68,2 Milliarden Tonnen betragen.

Quelle: TASS / The Moscow Times

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