Elektronische Visa in Russland – Seit dem 1. Oktober 2019 gilt für die Stadt St. Petersburg eine neue Einreiserichtlinie: Hintergrund und Leitfaden für Bewerber

von Jonas Prien, Business Development und Marketing Intern, und David Mustafaev, Legal Consultant und HR, bei Ausserer&Consultants in Moskau

Die russische Regierung hat in der Vergangenheit bereits einige Schritte unternommen, um den komplizierten Prozess der Visa-Beschaffung zu verbessern. Nun hat sie ein neues System für elektronische Visa für St. Petersburg und das Petersburger Umland (Leningrad Oblast) eingeführt. Wie bereits vor kurzem angekündigt, soll das langfristige Ziel sein, für ganz Russland elektronische Visa einzuführen. Dafür sollen St. Petersburg und auch die Exklave Kaliningrad den Anfang machen und das Vorhaben auf ihre Durchführbarkeit prüfen. Seit dem 1. Oktober 2019 ist es nun möglich für Bewerber, die Visa-Bewerbung bequem online durchzuführen. Ein bemerkenswerter Vorteil des neuen Verfahrens ist, dass es komplett kostenlos ist. Die Petersburger Tourismusbehörde hofft dabei auf Mehreinnahmen durch geschätzte zwölf Millionen mehr Touristen pro Jahr. Dies ergebe einen Anstieg der Einnahmen durch den Tourismus von 13% – ein weiterer Geldregen für die bei vielen Touristen aus aller Welt beliebten Zarenstadt. In den letzten drei Jahren in Folge wurde die nördlichste Metropole der Welt vom World Travel Award für seine Touristenfreundlichkeit ausgezeichnet. 

Elektronische Visa sind eine nützliche und zeitsparende Neuheit, allerdings gibt es auch hier Restriktionen und Vorschriften. Wir haben für Sie diesen Leitfaden erstellt, um die wichtigsten Regeln zu erklären und Antworten auf die häufigsten Fragen zu geben.

Was ist ein E-Visum und wer kann sich bewerben?

Wie der Name bereits suggeriert, werden elektronische Visa online erstellt, was den Prozess natürlich sehr vereinfacht. Bewerber können auf der Seite des Russischen Ministeriums aus Auswärtiges (hier) die nötigen Formulare finden. Die Bewerbung sollte zwischen 4-20 Tage vor der geplanten Einreise erstellt werden.

Das Verfahren gestattet lediglich Bürgern 53 gelisteten Staaten, darunter Deutschland sowie alle EU-Mitglieder, Golfstaaten (z.B. Saudi-Arabien, Iran und Katar) und Länder Ostasiens, zu bewerben. Allerdings werden Bürger der USA, Kanada und der Ukraine von der neuen Richtlinie. Die gesamte Liste kann auf dieser Seite des Russischen Auswärtigen Ministeriums eingesehen werden (hier). 

Welche Arten von E-Visa gibt es?

Es werden zurzeit nur drei verschiedene E-Visa Arten angeboten: Geschäftsvisum, Humanitäres Visum und Tourismusvisum. Sollte der Grund Ihrer Reise von den genannten Arten abweichen, können Sie sich weiterhin auf die gewöhnliche Weise (offline) in den Visastellen melden – die Nutzung von E-Visa ist aber ausgeschlossen.

Richtlinien für die Gültigkeit

Das E-Visum ist ab der Bestätigung für 30 Tage gültig. Es erlaubt ausländischen Staatsbürgern für acht Tage in Russland zu bleiben, beginnend mit dem Eintrittsdatum. Weiterhin kann es nicht verlängert werden und ist nur für die einmalige Einreise bestimmt.

Das E-Visum erlaubt lediglich das Reisen innerhalb der Stadt St- Petersburg sowie dem Petersburger Umland (Leningrad Oblast). Um Strafen zu vermeiden, empfehlen wir, nicht ohne die Genehmigung in andere Gebiete Russlands weiterzureisen. Wer es trotzdem versucht, muss damit rechnen, eine Strafe zwischen 2000-5000 Rubel (30-70 Euro) zu erhalten. Außerdem kann es zu einem Vermerk im Reisepass kommen, wodurch zukünftige Einreisen erschwert werden können. Sollten Sie sich nicht sicher sein, wo genau ihre Reise Sie in Russland hinführen wird, ist ein gewöhnliches Visum von Vorteil.

Dokumente für das E-Visum

  1. Reisepass. Der Reisepass sollte zum Zeitpunkt der Bewerbung um das E-Visum noch mindestens für 6 Monate gültig sein und freie Seiten für die Stempel bei der Einreise aufweisen.
  2. Krankenversicherung, welche für den gesamten Reisezeitraum gültig ist.
  3. Foto. Das Foto sollte im JPEG-Format (Verhältnis von 35×45) sein, aber professionell muss es anders als zuvor nicht sein. Die genauen Hinweise, wie ein solches Foto gemacht werden sollte, finden Sie (hier).

Für das E-Visum sind Einladungen, Bestätigungen des Hotels oder Reiseunterlagen wie im herkömmlichen Visum nicht notwendig. Allerdings sollten alle oben aufgeführten Dokumente ausgedruckt mitgeführt werden.

Wie funktioniert die Bewerbung:

  1. Füllen Sie die Online-Formulare auf der Website https://evisa.kdmid.ru/ aus.
  2. Die Bestätigung erfolgt in den darauffolgenden 1 bis 4 Kalendertagen und wird an die E-Mailadresse versendet.

Wir empfehlen Ihnen ausdrücklich, die Instruktionen auf der Website aufmerksam zu lesen, bevor Sie die Bewerbung abschicken.

Ein- und Ausreise mit E-Visum

Die Einreise nach St. Petersburg mithilfe des E-Visums erfolgt an verschiedenen Checkpoints. Dies sind die Wichtigsten: per Flugzeug am Pulkovo-Airport, per Auto, Bus oder Fahrrad an der russisch-finnischen Grenze in Torfyanovka, Svetogorsk und Brusnichnoe und an der russisch-estnischen Grenze in Ivangorod. Außerdem ist die Einreise auf Seewege über die Häfen St. Petersburg und Vysotsk möglich. Die Ausreise erfolgt ebenfalls durch die oben genannten Checkpoints.

Ausblick – das E-Visum ein Erfolg?

Seit der Einführung am 1. Oktober wurde die Einreise mithilfe der E-Visa bereits einige hundert Male genutzt. Das Feedback ist der Reisenden positiv. Die häufigste Gruppe sind Bürger aus den drei Baltischen Staaten Estland (286), Lettland (76) und Litauen (75) – Deutschland belegt aktuell den sechsten Platz.

Viele Organisationen wie die „OstWest-Brücke“ und der Alumniverein des Deutsch-Russischen Jugendparlaments „DRJUG e.V.“ fordern seit Jahren eine Vereinfachung des Visaprozesses insbesondere für Jugendliche und Studenten. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: „Wenn Jugendliche nicht an Austauschprogrammen teilnehmen können, oder erhebliche Summen für die Erstellung von Visa anstatt der Finanzierung des Jugendaustauschs eingesetzt werden, nutzen wir das Potential der deutsch–russischen Beziehungen auf Jugendebene nicht ausreichend aus.“ Daher lautet ihre Botschaft: „Wir möchten die Regierungen Deutschlands und Russland, sowie die Entscheidungsträger in der EU dazu auffordern, diese Barrieren abzubauen und die Gespräche, über eine Abschaffung der Einreisevisa für Jugendliche unter 28 Jahren aufzunehmen.“ Auch durch ihren Nachdruck auf diversen Foren wie dem Petersburger Dialog 2018 wurde die Visaproblematik in den Mitteilpunkt der Verhandlungen gestellt. (Weitere Informationen über die Arbeit von DRJUG und OstWest-Brücke finden Sie hier).

Der langfristige Erfolg des E-Visums wird sich für die Verantwortlichen aus dem Petersburger Tourismus erst in den nächsten Monaten zeigen. Ob Russland die Planungen tatsächlich umsetzt, auch für ganz Russland ab 2021 elektronische Visa einzuführen, wird sicher auch in der Pilotphase in St. Petersburg überprüft – für viele Touristen, Berufstätige und Freunde Russlands wäre dies eine großartige Erleichterung.

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