Mülltrennung in Russland – ein drängendes Problem

von Jonas Prien, Business Development und Marketing Intern bei Ausserer&Consultants

Die Verwertung, Trennung und Lagerung von Industrie- und Hausmüll wurden in Russland seit Jahren sträflich vernachlässigt – dies recht sich nun. Können ausländisches Know-how und riesige Investitionen für baldige Abhilfe schaffen?

Vor einem Jahr wurde in der Stadt Tscheljabinsk der Notstand ausgerufen, das Problem war hausgemacht: tausende stinkende Müllberge. Der Grund für die gesundheitsschädlichen Abfälle mitten in der Stadt war die Schließung einer Mülldeponie, woraufhin die Müllmänner, die ohne Lohnausgleich den Stadtmüll in eine weiter entfernte Deponie bringen sollten, ihre Arbeit niederlegten. Jährlich fallen in Russland geschätzte 60-70 Millionen Tonnen Abfall an, wovon aber nur ein Bruchteil wiederverwertet wird. Große Städte wie Moskau und St. Petersburg bedienten sich in der Abfallproblematik einer einfachen Lösung, nämlich dem Export des Mülls in kleine Städte oder Randbezirke. [1]

Doch auch die Mülldeponien sind völlig überlastet. Da nur etwa zehn Prozent des Mülls überhaupt recycelt oder von den 60 Müllsortieranlagen gefiltert wird, landet der Großteil auf den 22.000 legalen oder den 60.000 illegalen Müllkippen. [2]

Vielen Menschen stinkt dies zum Himmel – Tausende Menschen nahmen bereits an Demonstrationen im ganzen Land teil. Die Müllfrage bietet offenbar großen sozialen Sprengstoff. Die russische Regierung war zwar in den vergangenen Jahren keineswegs untätig, allerdings setzten sie die 2014 erlassenen Gesetze zur Müllsammlung, Recycling und Deponierung nicht konsequent um. Zudem gibt es oftmals eine ungeklärte Finanzierung von Projekten wie bei Müllverbrennungsanlagen, die mit circa 500 Mio. Euro pro Werk auch sehr teuer sind.

Doch es scheint, dass die Verantwortlichen in der Regierung verstanden haben, dass die Müllfrage nicht weiter aufzuschieben ist, ohne größere soziale Unruhen zu vermeiden. Große Infrastrukturinvestitionen, ausländisches Know-how und verschiedene Initiativen wie das „Jahr der Umwelt“ 2017 zur Mülltrennung in der Bevölkerung sollen Verbesserungen bringen. Dazu sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Nikolai Gudlow: „In Deutschland wird Müll getrennt, wir wollen das System unbedingt auch bei uns einführen. Die Menschen müssen lernen, Umweltressourcen im Alltag sparsamer zu nutzen. Und gleichzeitig der Umwelt weniger zu schaden. Vor allem, natürlich, durch Abfall“. Ein Fokus liegt bei den Projekten auf dem Erhalt des größten Süßwasservorrats der Erde, dem Baikalsee, „dort werden wir die Einleitung von Industrieabwässern verringern und Wald aufforsten. Es gibt Probleme mit den Kläranlagen dort.“ [3]

In der folgenden Tabelle sind die Ziele der russischen Regierung bis zum Jahr 2024 im Umweltschutz von Gerit Schulze von der GTAI anschaulich zusammengefasst. [5]

Ziele der russischen Regierung für die Verbesserung der Umweltprobleme (Quelle: Gerit Schulze, https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=russland-macht-den-umweltschutz-zur-prioritaet,did=2217382.html) [5]

Wie erfolgreich das Zusammenspiel von ausländischem, insbesondere deutschem Knowhow und großen, russischen Investitionen auch in Umweltfragen belegen einige Beispiele. Seit 2011 arbeitet das deutsche Unternehmen Remondis eng mit den Behörden der Region Saransk in der Republik Mordwinien zusammen, seitdem gehört Saransk neben mit Mytischtschi und Orenburg in puncto Müllentsorgung zu den erfolgreichsten Städten. Auch im Rückbau der sowjetischen Altlasten half europäisches Knowhow. Auf der Kola-Halbinsel im russischen Nordmeer sammelten sich versenkte sowjetische Atom-U-Boote, gesunkene atomare Versorgungsschiffe und mehr als 20.000 Container mit radioaktivem Abfall. Diese deutlich gefährlichere Müllentsorgungsproblematik wurde ebenfalls mithilfe von europäischen Investitionen und deutschem Knowhow gelöst.

Derzeit sind mehrere Projekte mit einem Investitionsrahmen von über 1,5 Mrd. Euro geplant. Großfirmen wie LIDER, das Investitionsunternehmen von Gazprom, sowie Bauholding VIS Group beteiligen sich bereits daran, dennoch werden weitere Investoren und Müllfirmen insbesondere für die russischen Provinzen gesucht. [4]

In Russland scheint etwas in Bewegung gekommen zu sein, allerdings stehen noch viele ungelöste Fragen im Raum. Ein Umweltbewusstsein steckt in Russland noch in den Kinderschuhen. Foren, auf denen die Themen kritisch unter Experten diskutiert werden, erscheinen immer wichtiger, um einen Austausch zwischen Verantwortlichen und Experten zu generieren.

[1] https://www.dw.com/de/tickende-zeitbomben-m%C3%BCll-in-russland/a-45651590

[2] https://owc.de/2018/08/30/russland-sitzt-auf-einem-muellberg/

[3] https://www.deutschlandfunk.de/naturschutz-in-russland-jede-menge-vorhaben-fuer-das-neue.697.de.html?dram:article_id=375392

[4] https://www.bvse.de/recycling/recycling-nachrichten/4245-in-russlands-abfallwirtschaft-bricht-ein-neues-zeitalter-an.html

[5]https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=russland-macht-den-umweltschutz-zur-prioritaet,did=2217382.html


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