Als Expat in Moskau – ein Interview mit Ilya Polyakov

Ilya Polyakov ist im Herbst 2019 nach Moskau gezogen, um ein neues Kapitel im Leben als Expat in Moskau zu beginnen. Er wurde in der Ukraine geboren,zog in seiner frühen

von Jonas Prien, Ausserer&Consultants

Ilya Polyakov ist im Herbst 2019 nach Moskau gezogen, um ein neues Kapitel im Leben als Expat in Moskau zu beginnen. Er wurde in der Ukraine geboren,zog in seiner frühen Kindheit nach Dänemark und lebte während seiner akademischen und beruflichen Laufbahn auf allen Kontinenten der Welt. Nach Stationen in Indonesien, den USA, Katar, Singapur, Amsterdam und Kopenhagen entschied er sich, nach Moskau zu ziehen und als Business Development Manager für den Personaldienstleister Antal Russia zu arbeiten.

Wie war ihr Leben, bevor sie nach Moskau kamen? Was haben Sie in Ihren früheren Positionen gemacht?

Als ich 16 Jahre alt war, beschloss ich, von zu Hause wegzuziehen, um in Dänemark aufs Gymnasium zu gehen. Davor lebte ich mit meinem Stiefvater in Singapur und in Katar. Während meiner Studienzeit habe ich Praktika in Indonesien und Miami absolviert. Nach meinem Abschluss habe ich in Kopenhagen für Groupon gearbeitet,wurde danach nach Amsterdam vermittelt, um für TravelBird zu arbeiten um danach zurück nach Kopenhagen zukommen und  5 Jahre bei SweetDeal zu arbeiten. Dann beschloss ich, mich neu zu orientieren, getreu dem Motto: „Wenn ich alle Buslinien kenne, ist es Zeit, weiterzumachen“. Zur gleichen Zeit kam ich also zur WM nach Russland und lernte meine die Liebe meines Lebens kennen, die jetzt meine Verlobte ist. Also beschloss ich, letztes Jahr im August nach Russland zu ziehen. Ich hatte durch meine Freundin, meinen Vater und mein Interesses an der russischen Kultur eine große Motivation hierher zu kommen. Auch wenn ich Russisch weder schreiben noch richtig lesen kann, war es kein allzu großes Problem, welches mich aufhalten würde.

Was waren die ersten Unterschiede zwischen Moskau und den anderen Städten, in denen Sie gelebt haben?

Ich muss gestehen, Moskau ist die chaotischste Stadt, für die ich mich bisher entschieden habe. Kopenhagen und Amsterdam sind kleinere, gemütlichere und „leichter verständliche“ Städte. Singapur ist sehr sauber, nicht kriminell und weniger stressig. Als ich nach Moskau kam, hatte ich die Vorstellung einer sehr russischen, teils beängstigenden Stadt, aber ich bin positiv überrascht worden. Die Leute sind freundlich, auch wenn sie nicht so viel lächeln. Mein tägliches Ziel ist es immer, mindestens eine russische Person zum Lächeln zu bringen. Auch im Vergleich zu anderen Städten ist es hier sehr sauber. Eine grosse Herausforderung für mich ist die Moskauer Metro, schlicht weil ich Höhenangst habe. Es wird allmählich besser, aber ich versuche trotzdem weiterhin, die tiefen Stationen zu vermeiden. Wenn ich zu Geschäftstreffen gehe, schaue ich oft zuerst, wie tief die U-Bahn-Stationen sind. Manchmal gehe ich ein paar Meter, nur um die tiefen Stationen zu vermeiden. Es gibt viele Menschen, die den Stress in der Hauptverkehrszeit nicht mögen, aber ich genieße es! Ich mag es, einen Kaffee-to-Go zu kaufen und in der U-Bahn mit all den anderen Menschen zu stehen, und zu versuchen, den Kaffee nicht zu verschütten. Ich mag diese Art von Großstadtstress irgendwie.

Wie ist es mit der Sprache – gibt es eine Sprachbarriere für Sie?

Nein, die gibt es nicht. Ich spreche Russisch, Dänisch und Englisch, und diese Kombination reicht mir, um in Moskau zu leben. Ich kann zwar nicht auf Russisch schreiben, aber im Moment ist das kein Problem. Ich lerne gerne Sprachen und kann zum Beispiel auch ein wenig Deutsch. Im März werde ich für meine Flitterwochen nach Mexiko und Kuba reisen, weshalb ich die Zeit in der U-Bahn zur Zeit gerne nutze, um Spanisch zu lernen. Dafür habe ich eine App heruntergeladen, um mindestens 20 Minuten am Tag zu üben.

Einige Menschen sind in den ersten Tagen in Moskau etwas schockiert über das sehr kalte Wetter, die vielen Menschen, die laute, schnelle U-Bahn und so weiter. War es für Sie genauso? Wie kann man sich daran gewöhnen?

Wenn man als Expat in ein neues Land zieht ist es meiner Erfahrung nach sehr wichtig sich schnell einzuleben und ein soziales Netzwerk aufzubauen. Man kann schnell einsam werden was wiederum häufig der Grund für eine Rückkehr ins Heimatland ist. Als ich nach Miami, Bali oder Amsterdam gezogen bin, war stets mein erster Gedanke Freunde zu finden und ich denke, dass ich darin auch sehr gut geworden bin. Dies ist jedoch diesmal in Moskau etwas anderes, da meine Verlobte mir das Einleben sehr viel leichter macht und ich mich dank ihr in die neue Umgebung bereits gut eingewöhnen konnte.

Hatten Sie Vorbehalte, hierher zu kommen?

Bis zu einem gewissen Grad, ja. Ich hatte einen sicheren Job in Dänemark – außerdem leben viele meiner Freunde und die Familie dort. Ich wusste nicht viel über Rekrutierung und würde einen Service verkaufen, von dem ich wenig wusste. Mit der Zeit lernte ich die Dienstleistungen von Antal Russia besser kennen und fühle mich im Umgang mittlerweile sehr sicher. Es ist ein großartiger Service und ich bin stolz darauf, ihn an Kunden zu verkaufen. Meine russische Geschäftssprache war anfangs ebenfalls nicht sehr gut und ich war doch etwas besorgt, ob ich überhaupt mit Kollegen und Kunden kommunizieren könnte, oder ob meine dänischen Witze richtig verstanden werden würden; ob ich allgemein hineinpassen würde. Die Sorgen waren letztlich unbegründet. Da Antal ein internationales Unternehmen ist, findet ein Großteil der Kommunikation auf Englisch statt und Kollegen sind sehr hilfsbereit, beispielsweise wenn es russische Wörter gibt, die ich nicht verstehe.

War es ein fester Plan für Sie, nach Moskau zu kommen?

Im vergangenen Jahr habe ich durch persönliches Networking und über die Plattform LinkedInversucht einen Job in Moskau zu finden. Dabei gab es viele Höhen und Tiefen. Irgendwann war ich mir nicht sicher, ob mein Traum, in Moskau zu arbeiten, jemals wahr werden würde. Jedoch war einer meiner Ansprechpartner Michael Germershausen, Geschäftsführer von Antal Russia. Michael gab mir wichtige Ratschläge, wie man einen Job in Moskau findet. Nach einer Weile traf ich ihn im April persönlich zu einer Tasse Kaffee. Ein Kaffee, der mein Leben verändern würde. Bei dem Treffen, fingen wir an, mögliche freie Stellen in Antal zu diskutieren, und alles führte dazu, dass ich noch am selben Tag ein Interview hatte. Von da an hatten wir noch ein paar weitere Interviews und der ganze Prozess des Auswanderns begann. Im Juni erhielt ich endlich die Gelegenheit, für Antal Russia zu arbeiten. Wenn Michael oder ich nicht im April an diesem Treffen teilgenommen hätte, wäre ich nicht hier.

Sie teilen Ihre Erfahrungen in Russland auf einem Blog auf LinkedIn und geben Tipps für Expats, wie man sich in Moskau niederlässt. Was war Ihre Absicht, damit zu beginnen?

Die Idee kam ursprünglich von Michael Germershausen, der mir den Rat gab, dass ich versuchen sollte, schnell ein großes Netzwerk aufzubauen. Ich sollte die Botschaft „Ilya ist in Moskau gelandet“ verbreiten, um mein Netzwerk durch einen Blog zu erweitern. Ich teile gerne meine Erfahrungen, und hoffentlich wird es den Menschen helfen, zu verstehen, was es braucht, um hier zu arbeiten. Meine Blogs sind auf eine lustige und interessante Weise geschrieben, um sie eingänglicher zu machen. Der erste Artikel handelt davon, „Wie man einen Job in Moskau als Expat findet„. In der folgenden Woche schrieb ich über ‚Umzug nach Russland‘ und dann über ‚Networking und Sales in Russland‚. In Zukunft möchte ich die Arbeitskultur verschiedener Länder vergleichen.

Ich habe LinkedIn für meinen Blog gewählt, weil es ein geschäftsbezogenes Medium ist und eine großartige Gelegenheit bietet, ein Netzwerk aufzubauen. Über den Blog hoffe ich, mehr Follower für mein persönliches Netzwerk zu bekommen und das richtige Publikum zu finden. Irgendwann, wenn ich genug Artikel habe, träume ich davon, ein Buch zu machen und es „Ein zufälliger Expat in Moskau“ zu nennen.

Welcher Artikel wurde am meisten gelesen?

Es war definitiv der Artikel darüber, wie man einen Job als Expat in Moskau findet, weil meine Meinung dazu sich sicher von anderen unterscheidet. Über meine persönlichen hinaus, arbeite ich schliesslich für Antal Russia, wo wir Hunderte von Kunden haben und so können wir unser Netzwerk nutzen, um Expats zu helfen, einen Job in Russland zu bekommen.

Von den verschiedenen Möglichkeiten, hier einen Job zu finden, würde ich physische Vernetzung empfehlen, also nicht nur auf Internetplattformen oder sozialen Medien. Eine Woche frei zu nehmen oder die Sommerpause in Russland zu verbringen, um so viele Treffen wie möglich zu arrangieren, ist in meinen Augen der beste Ansatz. Skype-Anrufe oder LinkedIn-Chats funktionieren nicht so gut. Als ich nach Moskau kam und potenziellen Arbeitgebern sagte, dass ich den ganzen Weg für die Treffen flog, waren sie eher bereit, sich für einen Kaffee zu treffen. Sie können ihnen Ihre Ernsthaftigkeit bei der Jobsuche hier zeigen. Ein weiterer Tipp ist, zur Botschaft zu gehen und nach einer Liste der hier ansässigen Unternehmen Ihres Landes zu fragen. Die dänische Botschaft gab mir eine Liste von Unternehmen und ich wurde Mitglied des Dänischen Business Club. Dies hat meinem Netzwerk geholfen, schneller zu wachsen. Außerdem wurde ich realistischer, was ich einem Unternehmen tatsächlich anbieten konnte. Nur Englisch zu können, macht dich nicht zum Superstar.

Das Unternehmen muss das Gefühl haben, dass Sie es wirklich wollen. Sie müssen Ihre Motivation zeigen und dass Sie auch bereit sind, ein Risiko einzugehen und nach Moskau zu ziehen. Das Unternehmen muss für Sie ein HQS-Visum (High-Qualified Specialist) beantragen, wobei dies in Wirklichkeit – nicht so kompliziert ist, aber immer noch Zeit und Ressourcen kostet. Für das Unternehmen ist es eine große Entscheidung, einen Expat einzustellen.
 

Wie würden Sie den Markt für Expats bewerten?

Es gibt hier weniger europäische Expats als noch vor einigen Jahren. Der Markt für westliche Expats ist generell sehr volatil und derzeit ist er niedrig. Wenn ich mich recht erinnere leben derzeit etwa 410 Dänen in Russland – vor ein paar Jahren waren es ein paar Tausend.

Auf der anderen Seite gibt es einen Boom von Expats aus den BRIC-Staaten. Wir können das bei Antal Russia sehr gut sehen, da viele unserer Kunden auf der Suche nach Expats aus den BRIC sind.

Auch die Russen sind sehr gut ausgebildet und Bildung bedeutet den Unternehmen hier mehr als in Dänemark. Als Antal Russia meineArbeitserlaubnis erstellt hat, musste ich mein Universitätsdiplom vorlegen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mein Diplom einem Arbeitgeber zeigen musste.

Wie bereits erwähnt, um einen Job als Expat in Russland zu bekommen, müssen Sie etwas Besonderes in das Unternehmen bringen. Das Englischniveau in Moskau ist insgesamt hoch und deshalb braucht man mehr als das. Für mich war das große Glück, das richtige Unternehmen mit den richtigen Kontakten zum richtigen Zeitpunkt gefunden zu haben. Mein Rat an alle Interessierten ist es ein größtmögliches Netzwerk aufzubauen und etwas Glück zu haben.
Und natlich können sie mich gerne über LinkedIn anschreiben oder uns auf unserer Website www.Antalrussia.com besuchen. 

Antal ist ein internationaler Personaldienstleister in Russland, was genau ist Ihre Aufgabe?

Antal Russia bietet verschiedene Dienstleistungen an, wie z. B. Rekrutierung in den Führungs- und mittleren Managementsegmenten, Outstaffing und Outsourcing. Ich arbeite für die Abteilung FMCG, Retail und Agro als Business Development Manager. Ich nehme an Veranstaltungen teil, treffe neue Kunden und erweitere das Portfolio an Unternehmen mit denen wir zusammenarbeiten. Ich besuche AEB- und AHK-Veranstaltungen, bei denen ich regelmäßig interessante Menschen treffe und eine Kontakt zu Ihnen herstelle. Auf dieser Veranstaltung haben schließlich auch Sie mich getroffen. 

 Wie unterscheidet sich das Networking in Russland von den Niederlanden oder Dänemark?

In Dänemark oder Amsterdam sind Networking-Veranstaltungen geschäftsorientierter, und die Ergebnisse sind gut, aber nicht so gut wie in Russland. Ich meine damit, dass bei den Veranstaltungen in Dänemark mehr Geschäfte diskutiert werden, aber am Ende weniger Verträge unterzeichnet werden. Hier ist es ein umgekehrt – zumindest aus meiner Erfahrung.

Um ehrlich zu sein, verbringe ich auf Veranstaltungen in Moskau etwa 80% meiner Zeit mit persönlichen Gesprächen. Wir diskutieren über das Leben, Nachrichten und so weiter. Wir tauschen Visitenkarten aus und treffen uns danach für ernsthaftere Geschäftsgespräche. Zuerst schaffen wir eine Freundschaft und danach beginnen wir zusammenzuarbeiten. Für mich hat es bei Veranstaltungen in Dänemark anders funktioniert.

Hier habe ich das Gefühl, dass der persönliche Kontakt den Unterschied ausmacht. In der Recruiting-Branche gibt es viele Wettbewerber. Antal Russia zu vertreten, ist nicht sehr schwer für mich, weil wir einfach gut arbeiten. Oft ist aber die persönliche Note für den Kunden entscheidend, weshalb mein Job wichtig ist und mir sehr viel Freude bereitet.

Wie schwer ist es neben dem Berufsleben, sich mit den Russen zu verbinden? Wie trifft man neue Leute?

Wenn sie sich an dich erinnern, wird es einfach sein. Wenn du zu Veranstaltungen gehst, sprichst du mit zwanzig oder dreißig Leuten und erinnerst dich nur an diejenigen, die einen Einfluss auf dich hinterlassen haben, oder? Mein Rat an Sie und meine Aufgabe ist es, in Erinnerung zu bleiben. Manchmal, wenn ich auf Veranstaltungen oder Konferenzen sitze, habe ich wenig Erfahrung mit dem Thema, über das diskutiert wird, aber dann kommentiere ich etwas oder beginne eine Diskussion über die Themen mit denen ich mich auskenne. Meistens erinnern sich viele nach diesen Treffen an mich. Sie erinnern sich an mich als die Person, die keine Angst davor hatte, etwas zu sagen. Jeder hat eine interessante Geschichte zu erzählen – man sollte nicht schüchtern sein, sie zu erzählen.

Ich bin dem Danish Business Club beigetreten, wo wir uns einmal im Monat zu Gesprächen und ein paar Bieren treffen. Es fühlt sich sehr gut an, wieder Dänisch zu sprechen und es ist eine gute Möglichkeit Freunde zu treffen.

In den ersten Monaten nach meiner Ankunft gab es viele Dinge neben der Arbeit zu organisieren: eine Wohnung zu finden, ein Bankkonto eröffnen, solche Dinge eben. Freitags gehen meine Verlobte und ich gerne in internationale Bars, um unser Expats-Netzwerk zu erweitern.

InterNations ist ein schöner Ort, um sich zu verbinden und nach Veranstaltungen zu suchen. Es ist ein guter Weg, um Freunde zu finden und neue Leute zu treffen. Ein weiterer Tipp, vor allem für Geschäftsleute, ist es, an einem Freitagnachmittag oder -abend nach Moskau City zu fahren, ein Bier zu bestellen, mit den Menschen neben Ihnen zu sprechen, Visitenkarten auszutauschen und zur nächsten Bar zu gehen. Am nächsten Morgen haben Sie vielleicht einen Kater, aber dann hat man 20 Visitenkarten und Kontakte, mit denen man in Moskau sprechen kann. Nützlich für soziale und geschäftliche Zwecke.

Schließlich muss ich sagen, dass das Leben in Moskau großartig ist. Antal Russia ist noch internationaler und spaßiger, als ich erwartet hatte. Ich habe mich bereits sehr gut eingelebt und genieße mein Leben voll und ganz!

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