USA wollen Nord Stream 2 stoppen – deutsch-russische AHK fordert Sanktionen gegen USA

Die Ostseepipeline Nord Stream 2 schrieb in den vergangenen Monaten bereits viele Geschichten. Nach der Zustimmung Dänemarks kommt es nun zum Finale, denn kurz vor der Fertigstellung sanktionieren die USA die am Bau beteiligten Unternehmen – zum Ärger der Deutschen Wirtschaftsvertreter.

von Jonas Prien, Ausserer & Consultants

Die Ostseepipeline Nord Stream 2 schrieb in den vergangenen Monaten bereits viele Geschichten. Nach der Zustimmung Dänemarks kommt es nun zum Finale, denn kurz vor der Fertigstellung sanktionieren die USA die am Bau beteiligten Unternehmen – zum Ärger der Deutschen Wirtschaftsvertreter.

Bau der Nord Stream 2 ist zu 90% fertig

Nachdem Dänemark als letztes Land im Oktober Grünes Licht für den Bau der Röhren rund um Bornholm erteilt hatte, stand der 1200 kilometerlangen Pipeline nichts mehr im Wege. Ab Mitte 2020 sollten dann jährlich circa 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Sibirien über die Ostsee nach Lubmin (Greifswald) im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern fließen – parallel zur bereits vorhandenen Nord Stream 1.

Für die US-Amerikanische Regierung ist das Projekt seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun hat sie mit drastischen Sanktionen gegen Unternehmen, die an dem Bau der Pipeline beteiligt sind, reagiert und fordert einen sofortigen Baustopp. Die Entscheidung fiel in der vergangenen Nacht im Zuge der Verabschiedung des 738 Milliarden Dollar schweren Militärhaushalt, den „National Defense Authorization Act“ (NDAA), im US-Kongress.

„Ein Schlag gegen Europa und Deutschland“

Die deutsch-russische Auslandshandelskammer (AHK) verurteilte in einer Pressemitteilung (PM) das Vorgehen der USA und setzt sich nachdrücklich für Gegenmaßnahmen ein. In der PM wird der Präsident der AHK und Vorstandsvorsitzender, Rainer Seele, von OMV, einem Öl- und Gasunternehmen, mit folgenden Worten zitiert: „Die Sanktionen gegen Nord Stream 2 sind ein Schlag gegen Europa und den engen Bündnispartner Deutschland. Es ist an der Zeit, dass Berlin und Brüssel eine klare politische Position beziehen und mit gezielten Gegenmaßnahmen antworten. Auf dem Spiel steht die energiepolitische Unabhängigkeit Europas.”

Weiterhin kritisiert die AHK, dass die Sanktionen nicht Russland träfen, sondern vielmehr die am Bau beteiligten Europäischen Unternehmen, wie Wintershall Dea, Engie, Uniper, Shell und OMV. Der Vorstandsvorsitzende der AHK, Matthias Schepp, geht mit der Forderung nach Gegensanktionen noch einen Schritt weiter: „Wir unterstützen die Haltung der deutschen Bundesregierung, die sich generell gegen den extraterritorialen Charakter vieler amerikanischen Sanktionen gegen Russland oder den Iran wendet. Die neuen Maßnahmen gegen Nord Stream 2 treffen weniger Russland, sondern in erster Linie europäische Unternehmen und deutsche Energieinteressen. Europa sollte auf Sanktionen, die Europa schädigen, mit Gegensanktionen antworten.“

Der US-Regierung läuft die Zeit davon

Es scheint, als kämen die Sanktionen der US-Regierung zu spät. Mehr als 90% der Strecke aus der Regionen Leningrad bis nach Greifswald sind bereits ausgebaut. Von der russischen Seite hieß es, dass man weniger als fünf Wochen benötige, um das zehn Milliarden Euro schwere Projekt abzuschließen.

Zudem sind in der Streitfrage um das Erdgas die Interessen klar zu erkennen und die Vorbehalte der USA scheinheilig. Während Russland und die Europäische Union gleichermaßen durch den lohnenswerten Handel – billige Energie gegen harte Devisen – profitieren wollen, fürchten die USA einerseits eine tatsächliche Abhängigkeit der NATO-Partner gegenüber Russland. Andererseits überrascht es nicht, dass die USA sich erst für den Ausbau der Nord Stream 2 interessieren, seitdem Sie durch die Schieferstein-Methode (Fracking) selbst zum Erdgasexporteur geworden sind. Die US-Sanktionen dürften damit letztlich nur eine weitere Schwierigkeit im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen der EU und den USA sein.

Verlauf der Ostsee-Pipelines (Forbes Magazine)
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