Halbzeit im Deutsch-Russischen Themenjahr der Hochschulkooperation und Wissenschaftsbeziehungen

Vor genau einem Jahr eröffneten die Außenminister Sergej Lawrow und Heiko Maas das Deutsch-Russische Themenjahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft. Ziel des Projektes ist es, die existierenden Kooperationen zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen und den einzelnen Forschern zu intensivieren und neue Verbindungen aufzubauen.

von Jonas Prien, Ausserer & Consultants

Konferenz im MISiS

Vor genau einem Jahr eröffneten die Außenminister Sergej Lawrow und Heiko Maas das Deutsch-Russische Themenjahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft. Ziel des Projektes ist es, die existierenden Kooperationen zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen und den einzelnen Forschern zu intensivieren und neue Verbindungen aufzubauen. Am 02. und 03. Dezember trafen sich viele Akteure des Themenjahres in Moskau für eine Halbzeitbilanz.

Als höchste Vertreterin der deutschen Seite sprach Staatsministerin Michelle Müntefering von den Chancen und Schwierigkeiten gemeinsamer Wissenschaftsprojekte. Zu diesen gehöre die internationale Arktis-Expedition „MOSAiC“ des deutschen Forschungsschiffs „Polarstern“, auf welchem aktuell 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 17 an Bord seien. „In Moskau ist man ja Kälte im Winter gewöhnt. […] Aber ich habe mich gefragt, wie das wohl ist, ein ganzes Jahr eingefroren zu sein? Temperaturen von bis zu minus 45 Grad und 150-mal auch am Tage Dunkelheit. Die nächste menschliche Siedlung mehr als 1000 Kilometer entfernt. […] Unter solchen Umständen muss man sich aufeinander verlassen können. Ein so aufwändiges Unternehmen kann nur gemeinsam gelingen, nur durch internationale wissenschaftliche Kooperation.“

Michelle Müntefering, Staatsministerin

Weiterhin betont sie, dass die Zusammenarbeit von der Meeres- und Polarforschung, der Bioökonomie, dem Bergbau und der Raumfahrt bis zum Teilchenbeschleuniger reiche. Zudem hätten die ersten russischen Austauschstudenten den Weg nach Deutschland bereits im 15. Jahrhundert gefunden. Umgekehrt gebe es mit u. a. Gottfried Wilhelm Leibniz ebenfalls bedeutende Gelehrte aus Deutschland. Zuletzt fasst sie zusammen: „Ob das Weltall oder die Arktis, beide sind Sinnbilder für das, was manchmal im Leben unüberwindbar scheint. In jedem Leben steckt ein Stück von dieser Herausforderung, aufzubrechen und uns einzulassen. Das ist die Expedition des Lebens.”

Im Zuge des Themenjahres wurden nicht nur viele neue Projekte, wie die zehnjährige Forschungsroadmap zur Förderung deutsch-russischer Nachwuchswissenschaftler mit einem Investitionsrahmen von 25 Mio. Euro, eingeführt, sondern auch das Bestehen vieler langjähriger universitärer Kooperationen gefeiert. Dazu gehören die Partnerschaften zwischen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Immanuel Kant Baltischen Föderalen Universität Kaliningrad (25 Jahre) und zwischen der Justus-Liebig-Universität Giessen und der Föderalen Universität Kasan.

Ein Name, der immer wieder anklingt, ist der Universalgelehrte Alexander von Humboldt, Namensgeber der zugehörigen Stiftung und Universität. Humboldt ist besonders bekannt für seine Naturforschungen im Amazonas-Regenwald in Südamerika. Dass er für eine Forschungsreise mehrere Wochen im Russischen Kaiserreich bis nach Sibirien vorgedrungen ist und das Leben der verschiedenen Volksgruppen beschrieb, ist eher unbekannt. Im 250. Geburtsjahr des Forschers stehen die Art und Weise seiner Arbeit und seine frühen Erkenntnisse über den menschengemachten Klimawandel durch Abholzung des Waldes wieder im Fokus der Wissenschaft.

Eine Diskussionsrunde während der zweitägigen Veranstaltung in Moskau behandelte die Erfolgsfaktoren für den wissenschaftlichen Nachwuchs vor allem durch die Internationalisierung. Auslandserfahrung diene laut den teilnehmenden Experten immer zum Vorteil des Wissenschaftlers, da so gewohnte Denkmuster neu durchdacht werden müssten. Von besonderer Wichtigkeit seien zudem der Austausch von Ideen und der Aufbau von Partnerschaften, meinte der Leiter des Labors für Nanotechnologien am MIPT, Maksim Nikitin. Neben der langjährigen Arbeit, besonderem Fleiß und einer offenen Haltung gehöre eine Portion Glück auch dazu, sagte Julian Hoffmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Über die zwei Konferenztage wurden verschiedenste Aspekte der Hochschulkooperation und Wissenschaft zwischen Russland und Deutschland beleuchtet, gefeiert und kritisch diskutiert. Während auf politischer Ebene jede zarte Verbesserung erkämpft werden muss, scheint die Kooperation zwischen den Universitäten und Forschungsinstituten gefestigt – in stürmischen Zeit eine beruhigende Erkenntnis!

Das Projekt „Themenjahr“ existiert seit fünf Jahren und widmet sich seitdem verschiedenen Aspekten der bilateralen Beziehung zwischen beiden Ländern. Zuletzt standen Sprache, Literatur, Jugendaustausch und die kommunale Zusammenarbeit im Fokus. 

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