Daimler unter Zugzwang – führt das Geschäft in Russland und China den Autokonzern aus der Krise?

Während die Produktion und der Verkauf in Deutschland ins Stocken gerät, könnte Daimler den Blick weiter gen Osten werfen, auch um die Transformation erfolgreich zu vollbringen.


Spätestens seit dem Diesel-Abgasskandal schwächelt das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft: die Autoindustrie. Doch die Aufarbeitung des Skandals ist nur die Spitze des Eisbergs. Längst wurde klar, dass die Automobilhersteller sich viel zu spät auf die neuen Anforderungen mit anderen Technologien wie etwa dem autonomen Fahren, der Elektromobilität und der Künstlichen Intelligenz (KI) eingestellt haben. Besonders dramatisch ist das Abschneiden des Daimler Konzerns, zu dem u. a. die PKW-Marken Mercedes-Benz, SMART und Maybach gehören.

Wen trifft der Sparkurs?

Auf einer Pressekonferenz von Daimler anlässlich des Investorenberichts musste der Nachfolger vom langjährigen Vorstandschef Dieter Zetsche, der Schwede Ola Källenius, resigniert die Jahreszahlen 2019 vorstellen (Geschäftsbericht ab 21.02.2019 verfügbar). Zwar gibt sich Källenius zuversichtlich, doch der Bericht ist alarmierend. Der Jahresgewinn verringerte sich um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr auf 2,7 Mrd. Euro. Dieser Rückgang lässt sich vor allem mit den 4 Mrd. Rückstellungen und Kosten des Dieselskandals erklären. Der Dieselskandal bleibt aber eher als Imageschaden an der gesamten deutschen Autoindustrie. Dieser Schaden trifft Daimler aber in einer denkbar ungünstigen Situation, nämlich in der Transitionsphase in die Elektromobilität. [1.]

Daimler versucht hingegen, mit aller Kraft erfolgreich in das neue Zeitalter der Mobilität zu gelangen, Dies widerspiegelt sich auch in den Ausgaben: Daimler investierte im vergangenen Jahr 17 Mrd. Euro in die Forschung und Entwicklung insbesondere in den Bereichen Elektroantrieb und Autonomes Fahren. Dafür sind allerdings eine Transformation des gesamten Konzerns und auch ein gewaltiger Sparkurs von Nöten. Mehr als 10% der Managerstellen sollen mithilfe eines Abfindungsprogramms gestrichen werden.

Götterdämmerung am Sternenhimmel

(Foto: Website Mercedes-Benz)

Die Aktionäre dürften weiterhin nicht begeistert über den Ausblick sein und müssen einen langen Atem beweisen. Obwohl die Dividende auf 1,5 Euro pro Aktie geschätzt wurde, beläuft sich das Endergebnis auf 90 Cent (zum Vergleich im Jahr 2018 belief sich die Dividende auf 3,25 Euro). Neben den sinkenden Gewinnzahlen sind vor allem Verluste durch Prestige-Projekte wie die Van Sparte und ein Joint Venture in Nordamerika die wesentlichen Gründe für den gegenwärtigen Preis der Aktie und seiner Dividende. Daimler plante nämlich, den Luxus-Van der X-Klasse (im Bild) in Amerika zu produzieren. Nach der Vorstellung des in Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Nissan entstandene Modell 2017 wurde das Vorhaben nun abgesagt. Das Joint Venture mit BMW beinhaltete das Carsharing Angebot „Drive-Now“, welches ebenfalls nach kurzer Dauer wieder eingestellt wurde.

Das Prinzip Hoffnung

Allerdings gibt es Licht am Horizont. Elektrisches Licht. Daimler wird noch in 2020 das futuristische EQ-Modell, der erste rein-elektrische PKW von Mercedes, auf den Markt bringen. Außerdem steht die neue S-Klasse kurz vor dem Release. Insgesamt soll der Anteil der produzierten E-Autos von 2 auf 9 Prozent steigen.

(Foto: Website Mercedes-Benz)

Während der Absatz in den traditionellen Märkten in Europa und Nordamerika schwächelt, sind die Verkaufszahlen in Russland und China weiterhin stark. Mercedes-Benz verkaufte etwa so viele Autos in China (694.000), wie in Deutschland und den USA zusammen (648.000). Immer wichtiger wird das Thema Lokalisierung. Von den knapp 700.000 Autos wurden 80 Prozent in China lokal hergestellt. Dies bedeutet, dass sich der Anteil seit 2014 vervierfacht hat. Auch in Russland lassen sich ähnliche Bilanzen ziehen. Das vergangene Jahr war für Mercedes-Russland eines, in dem viele Meilensteine erreicht wurden. Zunächst wurde im Beisein deutscher und russischer Politiker das Mercedes-Werk „Moscovia“ im April 2019 eröffnet. Das Werk beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter und „Das Mercedes-Benz Werk Moscovia ist ein weiterer Baustein unserer Strategie, dort zu produzieren, wo unsere Kunden sind. Und davon profitieren beide Partner: Russland und Mercedes-Benz“, sagte Dieter Zetsche, zum damaligen Zeitpunkt noch der mächtigste Mann bei Daimler. Weiterhin ist das Werk mit den neuesten Technologien wie 3D-Druckern, zahlreichen Robotern und Künstlicher Intelligenz ausgestattet. Weiterhin wurde ein weiteres Werk für die Produktion von LKWs im Joint Venture mit der russischen Firma KAMAZ in der Republik Tatarstan fertiggestellt. Neben China ist Russland einer der entscheidenden Märkte für deutsche Luxuskarossieren und die Bedeutung wächst, denn das Potenzial ist noch längst nicht erschöpft. Während die Produktion und der Verkauf in Deutschland ins Stocken gerät, könnte Daimler den Blick weiter gen Osten werfen, auch um die Transformation erfolgreich zu vollbringen. [2.]


[1] https://www.daimler.com/dokumente/investoren/berichte/geschaeftsberichte/daimler/daimler-ir-praesentationscharts-ergebnis-2019-und-ausblick.pdf

[2.] https://www.daimler.com/konzern/standorte/werkseroeffnung-moskau.html


von Jonas Prien, Ausserer & Consultants

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