Interview: Russische Unternehmen und Start-Ups auf dem Schweizer Markt – Michael Donald, Gründer von ImageNPay 1/2

Zunächst bestand meine Idee einfach darin, traditionelle Affinity-Kreditkarten-Programme auf einer…

Das Interview führten Isabelle Ganz, Partner bei QUORUS GmbH und Nina Fois, Recherche, Marketing & Kommunikation.

Teil 1: Technik und Innovation

1. ImageNPay ist eine digitale & mobile Plattform, die es den Verbrauchern ermöglicht, Zahlungskarten zu personalisieren und somit das Digital Wallet mit einem Mehrwert neu zu «erfinden». Wieso haben Sie sich entschieden, diese Technologie zu entwickeln?

Zunächst bestand meine Idee einfach darin, traditionelle Affinity-Kreditkarten-Programme auf einer mobilen Plattform zu digitalisieren und gleichzeitig durch Bilder ein neues Werbemedium zu schaffen und somit das Programm sowohl für die Marken als auch für die Verbraucher relevanter und ansprechender zu machen. Außerdem wollte ich die digitale Plattform nutzen, um die Belastung durch Plastikkarten weltweit deutlich zu verringern und gleichzeitig den gesamten Prozess für Banken kostengünstiger zu gestalten.

Traditionelle Affinity-Kartenprogramme sind teuer in der Verwaltung, suboptimal in Bezug auf Markenreichweite/Datenerfassung und hauptsächlich auf Kreditkartenprogramme beschränkt. Ich wollte etwas schaffen, das für die Verbraucher viel relevanter und integrativer ist, wo zunehmend alles auf Bildern basiert und von Bildern getrieben wird. Basierend auf diesem Gedanken wurde ImageNPay geboren.

Die Plattform schafft Mehrwert für Banken und kreiert über individuell wählbare aufregende Bilder relevantere Verbindungen zwischen dem Einzelhändler und den Endkunden. Der Kunde kann seine Debit-, Kredit- oder Prepaid-Karte mit einem Bild nach Wahl personalisieren. Ich gehe davon aus, dass dies wiederum exponentielle Einschreibungsraten wie bei Apple Pay und Samsung Pay zur Folge haben wird, die Abhängigkeit der Verbraucher vom Bargeld verringert und gleichzeitig die zur Verfügung stehende Datenfülle sowohl für die Banken, die Einzelhandelsmarke als auch für das Kartensystem erhöhen wird.

Diese Daten könnte dann wiederum genutzt werden, um gezieltere und relevantere an den Konsumenten gerichteten Werbeaktionen zu lancieren, welche die Kundenloyalität beim Kauf oder vor dem Kauf stärken.

Letztendlich handelt es sich um ein Win-Win!

2. Was sind die Vorteile dieser Technologie für die Verbraucher? Was ist der Anreiz, Ihre Technologie zu nutzen?

In der alten Welt war die Affinity-Karte teuer in der Herstellung und auf ein fixiertes Bild auf der Plastikkarte reduziert, was für die Verbraucher sehr wenig Wert hatte. Im Falle eines Fußball-Klubs handelt es sich beispielsweise nur um das traditionelle Klub-Logo. Nun stellen Sie sich vor, Sie könnten mit ImageNPay als Fan ein Bild Ihres Lieblingsspielers auswählen und es auf Ihre traditionelle Bankkarte in der Apple Wallet oder in der Banking-Applikation auftragen.

Es wird somit zu einem ultimativen Fan-Erlebnis: Sie hätten nun die gesamte Mannschaft zur Auswahl. Wenn Sie die Spielernummer 7 als ihr digitales Bild wählen, könnte Ihnen der Klub zum Beispiel direkt einen Rabatt auf das T-Shirt des Spielers Nummer 7 zur Verfügung stellen. Ich war davon überzeugt, dass das traditionelle Modell im digitalen Raum radikal verändert werden und auf mehrere vertikalen und horizontalen Ebene angewendet werden kann, zum Beispiel auf MasterCard, UEFA Champions League, die teilnehmenden Vereine und bis hinunter auf die einzelnen Spielern.

Dies würde es dem Fußballverein ermöglichen, Loyalität, Image-basiertes Ticketing sowie auch Preisermäßigungen für die Spiele im Ausland und Anreize für Hotels und Restaurants zu fördern. Die Fans hätten die Option Bilder der Fußballvereine oder der Spieler als Zahlungsmittel zu nutzen.

Die direkte Verbindung zwischen Einzelhändlern, Sportvereinen oder Wohltätigkeitsorganisationen und dem Verbraucher über ein Bild, verbessert das Ökosystem und den Werteaustausch zwischen demselben und der jeweiligen Marke.

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Digitale Revolutionen im Bezahlen (Pixabay)

3. Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell? Wie ist die Zusammenarbeit mit Ihren Partnern strukturiert? Wer sind Ihre Hauptpartner und was sind die Vorteile einer Zusammenarbeit mit ImageNPay?

Das Geschäftsmodell ist auf verschiedene Weise aufgebaut und kann an die Anforderungen von Banken oder Finanzdienstleistungsunternehmen angepasst werden. Zum Beispiel können wir ihnen das Kernsystem zur Verfügung stellen, welches wir in ihrem bestehenden Wallet integrieren und mit Apple Pay, Android Pay, Samsung Pay usw. verbinden.

Die Bank würde typischerweise eine Lizenzgebühr für die Nutzung des Kernsystems von ImageNPay zahlen, welches über das Software Development Kit (SDK) oder eine Programmierschnittstelle einfach integriert werden kann. Wir können die Bildänderungen in der digitalen Umgebung für den Kunden auch über die ImageNPay CRM-Plattform verwalten.

Wir haben die Möglichkeit, unseren Bankpartnern viele globale Marken vorzustellen, um sodann über die Bilder, die der Verbraucher mit der Bank oder dem Finanzdienstleistungsunternehmen auswählt, maßgeschneiderte Kampagnen zu erstellen, welche die Häufigkeit der Ausgaben und die Erhöhung der durchschnittlichen Transaktionswerte vorantreiben und die Abhängigkeit von traditionellen Treueprogrammen verringern.

Ein Prozentsatz des Transaktionswerts vom Handelspartner kann dann als Umsatzbeteiligung, Loyalität angesehen oder dem Kunden direkt als Rabatt auf weiteren Einkäufen übermittelt werden.

Die Umsatzbeteiligung von Partnern auf Grundlage des Herunterladens von Bildern, der Verwendung von Schlüsselbildern und der durch gezielte Kampagnen gesteigerten Transaktionen ist ein Modell, das ermöglicht, die in Europa durch die Abwicklungsgebühren des Kartenausstellungssystems verlorene Einnahmen zu ersetzen. Diese verlorenen Einnahmen wirken sich auf traditionelle, von Banken verwaltete Treueprogramme negativ aus.

Wir arbeiten derzeit mit MasterCard, Visa, Apple und einer Reihe von Schlüsselbanken in Europa, im Nahen Osten und in Russland an der Einführung unserer Plattform. Außerdem haben wir eine Reihe großer Einzelhändler, Sportmarken und Künstler aus der gesamten Musikindustrie für unser Projekt gewonnen.

4. ImageNPay hat eine starke Verbindung zu Russland, einer Ihrer wichtigsten Märkte ist. Außerdem wurde ein Teil Ihrer Programmierungsarbeit dorthin ausgelagert. Was war der Grund für diese Entscheidung?

Ich denke an das, was wir in Bezug auf die Programmierung als Insourcing nach Russland getan haben. Das Unternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten, ist eine an der NASDAQ (National Association of Securities Dealers Automated Quotation) quotierte international etablierte Organisation. Wir arbeiten sowohl in London als auch in Dublin eng mit ihrem Team zusammen und zusätzlich ein hervorragendes Team in Russland zu haben, ist das Sahnehäubchen auf dem Kuchen.

ImageNPay ist eine sehr komplexe Plattform, die in Zukunft noch komplexer wird. Russland hat einige der besten Programmierer der Welt im Sektor, in welchem wir entwickeln. Es handelte sich somit um eine offensichtliche Wahl. Wir haben ein internationales Unternehmen mit erstaunlichen Fähigkeiten im Bereich des Zahlungsverkehrs ausgewählt, welches bereits mit Unternehmen wie MasterCard zusammenarbeitete. Weils unsere Schlüsselmärkte dieses und nächstes Jahr Russland und die GUS-Staaten sind, war es ein zielgerichteter Ansatz, um einen geradlinigen Weg zu erfolgreichen Implementierungen zu gewährleisten.

Russland ist ein großer Markt mit enormen Möglichkeiten im Fin-Tech-Bereich. Marken wie Tinkoff und und MTS haben dies im Laufe der Jahre bewiesen. Russland war ein Frühanwender in Bezug auf Mobile und mobile Zahlungen an POS-Terminalen (Point of Sale), mehr noch als sogar London. Die Zahlungen, die jeden Tag in Moskau über ApplePay getätigt werden, sind überwältigend; das Land hat eine einheitliche Währung, eine bedeutende Bevölkerung, die technisch erfahren und von globalen Zahlungsmarken wie Visa, MasterCard, Apple und seinem eigenen Zahlungssystem Mir unterstützt ist. Dies ermöglicht es ImageNPay mit wichtigen Partnern wie LSP, das neue VTB-Startup, zu skalieren.

5. Nach der Gründung der Skolkovo-Stiftung im Jahr 2010 unterstützt das Innovationszentrum Skolkovo – ein wissenschaftlich-technischer Konzern – aktiv die Diversifizierung der russischen Wirtschaft und die Entwicklung innovativer Technologien. Arbeiten Sie mit dem Skolkovo-Innovationszentrum zusammen? Wenn ja, welche Schritte sind notwendig, damit ein (Schweizer) Start-up Teil des Skolkovo-Innovationszentrums wird?

Ja, wir streben eine Zusammenarbeit mit Skolkovo an. Skolkovo ist ein grossartiger Ort, wenn Sie ein russisches Unternehmen oder ein internationales Unternehmen sind, das auf dem russischen Markt Fuss fassen möchte. Der Prozess, um dort ansässig zu werden ist derselbe unabhängig davon, ob Sie ein Schweizer, ein anderes ausländisches Unternehmen oder gar ein russisches Unternehmen sind.

Der erste Schritt, um den Prozess zu starten, ist eine Anmeldung für das Skolkovo Soft-Landing-Programm. Die Details finden Sie auf der Website von Skolkovo. Es handelt sich um einen zweiwöchigen sehr fokussierten Vertiefungskurs, der einen fantastischen Überblick darüber gibt, wie man in Russland Geschäfte tätigt, welche Verfahren durchzuführen sind und wie man sich über das Programm um eine Aufenthaltsgenehmigung bewirbt. Die Dienstleistungen, die Skolkovo Ihnen nach der Aufenthaltsgenehmigung bietet, sind durch Zuschüsse, Steueranreize, Patentschutz und die Gründung einer juristischen Person sehr vorteilhaft.

Nichts davon ist jedoch garantiert – der Prozess ist sehr strikt und es sind eine Reihe sehr intensiver Präsentationen erforderlich, sowie eine Menge Details über Ihr Geschäftsmodell, die Innovation, was das Unternehmen auf den russischen Markt bringen und wie Ihr Unternehmen global skalieren will. Das Programm und die Einrichtungen in Skolkowo kann ich sehr empfehlen, aber es handelt sich sicherlich nicht um eine Standardübung, um aufgenommen zu werden. ImageNPay hat sich gerade am Programm beteiligt und wir warten aktuell auf das Feedback des Vorstands.

6. Welche Trends sehen Sie in der Zukunft der digitalen Technologien und des digitalen Marketings? Welche sind die wichtigsten Herausforderungen in dieser Branche?

Es gibt eine Reihe von Bereichen, in denen ich Möglichkeiten für eine Konvergenz von Technologie und Digitaltechnik sehe. Die Bereiche Wearables (Modeelektronik, z. B. Applewatch etc.) und Zahlungstechnologien werden meines Erachtens nach dem Corona-Virus exponentiell wachsen. Letzterer wird zur Folge haben, dass die Menschen kontaktlose und mobile Zahlungen dem Bargeld vorziehen werden. Die Verschmelzung von Mode und Technologie ist bereits im Gange: Smarth Clothes, die Ihr Smartphone aufladen und sich mit 5G verbinden können, so dass Sie immer verbunden bleiben, sind definitiv auf dem Vormarsch. Diese Art von Kleidung wird Ihre Bewegung, Ihr Fitnessprogramm und sogar Ihren Gesundheitszustand nach CV19 verfolgen und ich denke, einige Marken werden dies sehr erfolgreich zu Nutzen machen.

Ein großer Trend der Zukunft im Bereich des digitalen Marketings ist der Wunsch der Verbraucher, ihre persönlichen Daten zu besitzen und zu monetisieren und dafür entschädigt zu werden. Google und Facebook verkaufen ihre Daten an Werbetreibenden, die ziemlich genau evaluieren, was Sie kaufen möchten. Selbst die beste künstliche Intelligenz kann Ihre Stimmung jedoch (noch) nicht vorhersagen. Stellen Sie sich vor, ein Verbraucher würde Ihnen gegen eine Zahlung für seine Daten genau sagen, was er kaufen möchte: das Marketing wäre zielgerichteter, die Lieferkette würde reibungsloser und der Tauschwert verbessert. Genau diesen Effekt steuern wir mit ImageNPay an.

Ich glaube, dass die Monetisierung der Daten zugunsten der Kunden eine neue Einnahmequelle für denselben schaffen kann. Diese Einnahmen könnten sodann auf Mikrozahlungskonten innerhalb der Blockchain eingezahlt und für künftige Online-Zahlungen in Kryptowährungen gehalten werden. Es ist ein großer Sprung vom Bargeld zum Handy, zur Blockchain und zu Kryptowährungen, aber vielleicht wird sich die Welt nach dieser Krise anpassen und veraltete Formen des Tauschwertes wie verschiedenen Währungen neu überdenken. Mein 11-jähriger Sohn sieht die Welt bereits in V-Bucks, aber Gaming ist wohl eher ein Thema für das nächste Mal.


Gründer von ImageNPay, Michael Donald
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