Startup im Krypto Asset Management, Interview mit Maxim Zimin von Invemo

Neuankömmlinge müssen in der Schweiz mit höheren Administrationskosten rechnen als in einem anderen Land. Auch sind die operativen und laufenden Kosten (Administration, Buchhaltung, Rechtsberatung) in der Schweiz hoch.

Isabelle Ganz, Partner bei QUORUS GmbH und Nina Fois, QUORUS GmbH, Research, Marketing & Communications

Invemo ist ein im Crypo Asset Management tätiges Schweizer Startup mit russischen Wurzeln. Seinen Kunden und Investoren ermöglicht Invemo, über ein traditionelles Anlageinstrument von den Preisbewegungen einer diversifizierten Mischung von digitalen Vermögenswerten mit hoher Marktkapitalisierung zu profitieren, ohne sich dabei selbst um Kauf, Verkauf und Aufbewahrung kümmern zu müssen. Das von Invemo praktizierte Trading basiert auf ausgeklügelte Algorithmen. Das Startup wurde im 2017 in Zug gegründet, wo das Krypto Valley seinen Ursprung hatte, mit dem Ziel eine «all-in-one Lösung» für professionelle und institutionelle Investoren in Krypto Bereich zu bieten.

Die Plattform wurde und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Dank des guten Preis-Leistung Verhältnisses findet die Entwicklung teilweise in Russland statt, wo es viele gut ausgebildete Entwickler gibt. Dank der russischen Wurzeln des Co-Gründers und CIO Maxim Zimin, ist es einfach, den Entwickler die Bedürfnisse und Anforderungen, die Invemo hat, genau zu kommunizieren.

1. Aus welchen Gründen haben Sie die Schweiz als Standort für Ihren Hauptsitz gewählt, insbesondere im Hinblick auf andere attraktive Standorte in Europa? Welche Schlüsselelemente haben bei Ihrer Entscheidung für die Schweiz eine ausschlaggebende Rolle gespielt?

Es gibt viele Gründe, weshalb wir die Schweiz als Geschäftsstandort gewählt haben. Zu den Wichtigsten gehören die sanktionsfreien Wirtschaftsbedingungen, die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität, sowie auch die Rechtssicherheit, die Steuererleichterungen für Startups und das hohe Niveau der Bildung, Forschung und Innovation. Auch der hohen Qualität, der Patentenregulierung, des Patentschutzes sowie den facettenreichen Networking Möglichkeiten kamen bei unserem Entscheid eine sehr wichtige Rolle zu.

Die Schweiz bietet Möglichkeiten für Talente aus verschiedenen Ländern und zielstrebige «schlaue Köpfe» mit innovativen Ideen finden immer einen Weg, um in der Schweiz Fuß zu fassen und zu arbeiten. Das Land ist aus diesem Grund auch eine ideale Plattform, um gut ausgebildete Leute aus aller Welt zu treffen. Hochkarätige Anlässe (insbesondere auch internationale) werden in der Schweiz genau aus diesem Grund sowie dank der hohen Sicherheitsstandards organisiert und durchgeführt. Solche Anlässe sind zentral für das Networking und den Austausch mit Fachleuten aus der gleichen Branche.

Außerdem ist die Schweiz als Finanzzentrum bekannt und gehört zu den Ländern, die Kryptowährungen bereits relativ früh und umfassend anerkannt haben. Das kryptofreundliche Umfeld in der Schweiz und die regulatorisch guten Rahmenbedingungen sind für das Geschäftsmodell von Invemo ideal. Insbesondere entwickelt sich das regulatorische Umfeld (Finanzmarktregulation / FINMA) stetig weiter und nimmt im internationalen Vergleich eine Vorreiter Rolle ein. In der Schweiz sind Kryptowährungen, wie bereits erwähnt, schon sehr weitgehend anerkannt und akzeptiert. Was das Kerngeschäft von Invemo betrifft, d.h. das Krypto-Trading, ist aber aktuell eine Zusammenarbeit mit den durchs Band weg noch eher traditionell aufgestellten Schweizer Banken (noch) immer eine Herausforderung. Mit den beiden Banken Sygnum (https://www.sygnum.com/) und Seba (https://www.seba.swiss/, seit 2019 FINMA lizenziert), offeriert die Schweiz in diesem Bereich jedoch bereits eine Alternativmöglichkeit zu den traditionellen Banken. Es stellt sich jedoch die Frage, ob letztere diesem Trend ebenfalls folgen werden.

Eine Basis in der Schweiz zu haben und als Schweizer Unternehmen Auftreten zu können, ist auf jedem Fall enorm wichtig. Die ist im Krypto Umfeld insbesondere der Fall, weil die regulatorischen Rahmenbedingungen, wie bereits erwähnt, in der Schweiz enorm fortschrittlich sind. Selbst wenn das «Swiss Made» für die Technologie eine weniger grosse Bedeutung aufweist, ist die Schweiz für gutes Management und für die Nachhaltigkeit bekannt, was wiederum zentral ist für die Weiterentwicklung der Technologien und Unternehmen, die diese Technologien entwickeln. Swiss-Made ist folglich für das gesamte Setup und für das sogenannten Technologie-Management von grosser Wichtigkeit.

2. Welche Rolle haben der Kanton und ihre Wirtschaftsverbände in der Etablierungs- und Entwicklungsphase von Invemo gespielt? Welche andere Institutionen sind besonders wichtig gewesen?

Eine direkte Unterstützung vom Kanton oder von der kantonalen Wirtschaftsförderung hat Invemo nicht in Anspruch nehmen müssen. Mit kantonalen Institutionen hat Invemo auch keinen engen Kontakt gepflegt. In der Gründungsphase sowie auch aktuelle sind hingegen Beratungsfirmen wie Treuhänder und Anwälte enorm wichtig. Insbesondere das regulatorische Umfeld ist einem stetigen Wandel unterworfen – was auch gut so ist. Die finanzmarktrechtlichen Anforderungen müssen ständig überprüft und verschiedene Elemente angepasst werden. Außerdem kommt den Wirtschaftsanwälten auch bei der Beratung von Kunden ein wichtiger Part zu, weil sie die Verträge usw. ausgestalten und die Compliance mit dem Schweizer recht so sicherstellen.

Die Anwälte sind sodann auch zentral bei der Kundengeneration: Viele «Referrals» finden über Anwälte statt, die quasi als «Channel Partner» der Invemo tätig sind. Die meisten unserer Kunden sind Schweizer, aber die (finanziell) Grössten stammen aus dem Ausland, unter anderem auch aus Russland. Beratungsfirmen, wie zum Beispiel die QUORUS GmbH (https://www.quorus.ch/), mit einer breit gefächerte Expertise inklusiv Rechtsberatung und Startup-Unterstützung, sind in solchen Setups mit ausländischen Kunden wertvolle Brückenbauer zwischen Russland und der Schweiz. Solche lokale Partner, die mit Russland besonders vertraut sind, können für russische Neuankömmlinge in der Schweiz vor allem in ihrer Startup- und Etablierungs- sowie auch in Ihrer Entwicklungsphase zu einem wertvollen Sparringpartner werden.

3. Wie kann ein Startup in der Schweiz an einen Investor herangehen und was waren Ihre Erfahrungen, die sei in diesem Bereich gemacht haben? Von welchen Finanzierungsinstrumenten konnten Sie in der Gründungsphase Ihres Startups profitieren und was ist Ihr Ratschlag, welchen Sie einem Startup bei der Investorensuche in der Schweiz mit auf den Weg geben würden?

Ein Startup muss Optionen finden, um nachzuweisen, dass sein Geschäftsmodell mit eigenen Mitteln ohne wesentliche Investitionen von Dritten funktioniert. Nur mit diesem Nachweis können auch Investoren angesprochen und überzeugt werden. Ein Startup sollte anstreben, mit eigenen Mittel zumindest ein «proof of concept» oder ein «MVP» (Minimum Viable Product) zu liefern. Erst in einem weiteren Schritt sollte die Fremdfinanzierung in Erwägung gezogen und anvisiert werden. Schweizer Investoren sind auf der Suche nach nachhaltigen und skalierbaren Geschäftsmodellen. Mein Tipp an die Startups: Reservieren Sie im Vergleich zu anderen Ländern mehr Zeit für die Vorbereitung und Dokumentation. Reine ideen sind in der Schweiz schwierig zu verkaufen, innovative, nachhaltige, skalierbare und gut dokumentierte Projekte haben jedoch solide Aussicht auf Erfolg.

Ich habe immer eigene Mittel ins Geschäft investiert, um Verantwortung zu übernehmen und um meine eigene Effizienz zum möglichen Maximum zu steigern. Wenn man eigene Mittel im Geschäft hat, ist der Druck am grössten, maximal effizient zu sein. Mit fremdem Geld zu arbeiten, kann m.E. zu einer Abnahme der Kosteneffizienz führen. Es ist jedoch tatsächlich so, dass es ganz komplexe und entwicklungsintensive Geschäftsmodellen gibt, die ohne Fremdfinanzierung per se nicht umgesetzt werden können.

Invemo hat sich nach der Anfangsphase hauptsächlich mit dem eigenem Umsatz (Revenue-Stream) weiterfinanziert und kann mit der Trading Tätigkeit einen ROI (Return on Investment) generieren, welcher das Bestehen der Gesellschaft sichert. Die Einnahmen aus dem Kerngeschäft von Invemo werden sodann in das weiter Business Development investiert. Neben diesem Grundmodell konnte Invemo mit einigen Investoren vereinbaren, dass das Investorengeld in die Weiterentwicklung der Gesellschaft investiert werden darf und diese Inverstoren dafür bessere Konditionen für das Trading und die Krypto Storage erhalten. Es handelt sich also nicht um Equity Investoren. In concreto, können je nach Vereinbarung Gewinne aus dem Portfolio Management in die Weiterentwicklung investiert werden, der Investor kriegt dafür bessere Konditionen für das ganze Portfolio Management. Bei Invemo investiert der Investor sein eigenes Geld, dieses liegt auf einem auf seinen Namen lautenden Storage. Der Investor hat jederzeit die Möglichkeit auszusteigen, wenn ihm etwas nicht «gefällt». Um diese Art von Investitionen in die Weiterentwicklung der eigenen Plattform «stecken zu dürfen», bedarf es natürlich einer gewissen Vorgeschichte mit den Investoren: das Vertrauen muss solide sein.

4. Welche Vorteile bietet die Schweiz für die Skalierung eines erfolgreichen Startups?

Die Schweiz bietet Vorteile von A bis Z: Sie ist zentral positioniert und hat einen guten Ruf. Es gibt kein Land, das problematische Beziehungen mit der Schweiz unterhält. Außerdem ist die Schweiz im Finanzsektor als vertrauenswürdiger Partner bekannt und Schweizer Unternehmen werden von Partnern und Kunden im Ausland als erfolgreiche und zuverlässige Geschäftspartner wahrgenommen. Dies hilft, Kunden aus dem Ausland zu gewinnen sowie sich im Ausland weiter zu entwickeln.

Als Ausnahme können einzig die Vereinigten Staaten genannt werden. Kunden aus den USA können in der Schweiz von Invemo nicht aufgenommen werden. Das Interesse von diesen Kunden an unseren Dienstleistungen ist jedoch groß. Die beste Lösung ist aktuell einen Partner in den Vereinigten Staaten zwischenzuschalten, welchem wir unsere Technologie «vermieten». Der Investor aus den Vereinigten Staaten stellt das Geld diesem Partner sodann für das Trading zur Verfügung. 50% des Portfolios werden in einem «Cold Wallet» gehalten und 50% werden für das Trading verwendet. 50% des Gesamtkapitals sind somit immer gesichert.

5. Stichwort «Innovation», wie wichtig ist «sie» bei der Gründung eines Startups in der Schweiz?

In der Schweiz gib es natürlich viele Startups, die bereits auch schon Vieles erreicht und vollbracht haben, auch im Krypto Bereich. Wenn man Konkurrenzfähig sein und sich auch mit Startups im Ausland messen möchte, dann reicht es eigentlich, dass da eigene Startup in der Schweiz gegründet wurde und reguliert ist. Wenn man mit anderen Schweizer Startups konkurrieren möchte, muss man klare USPs (Unique Selling Propositions/Points) vorweisen und sich von der Konkurrenz abheben können.

Invemo bietet bessere Konditionen und Transparenz. Es ist wichtig zu erklären, was man mit dem Geld macht. In der Tat habe ich häufig gemerkt, dass bei Banken und Vermögensverwalter, auch in der Schweiz, dem Kunden nur sehr oberflächliche Informationen über das Portfolio Management zugänglich gemacht werden. Invemo legt Wert auf klare und umfassende Kommunikation und Transparenz mit den Kunden.

6. Welches sind die wichtigsten Elemente, die bei der Wahl der Schweiz als Geschäftsstandort im Kopf behalten werden müssen? Was würden Sie Neuankömmlingen vorschlagen?

Für Leute aus Russland ist die Bewilligungssituation (Migration) in der Schweiz schwieriger als für Leute aus den EU/EFTA Staaten. Tatsächlich gilt Russland als sogenannter Drittstaat, was zur Konsequenz hat, dass die Bewilligungsvoraussetzungen umfassend sind und sauber plausibilisiert und dokumentiert werden müssen. Beim Zuzug in die Schweiz, muss man beweisen können, dass man als Angestellter für die Schweiz, den Kanton und das Unternehmen, über welches die Anstellung erfolgt (sei es das eigene Startup oder ein Dritt-Unternehmen) einen Mehrwert generiert und/oder als Empfänger einer hochstehenden Schweizer Ausbildung für das Bildungs- und Wirtschaftssystem Schweiz relevant ist.

Für Neuankömmlinge ist es wichtig, das Land zu verstehen und sich mit den lokalen Gegebenheiten vertraut zu machen. Merkmalen wie die Schweizer «Geschwindigkeit», die Kollegialität mit Partner und Klienten sowie die Art und Weise wie man mit Behörden, Partner und Kunden kommuniziert, unterscheiden sich enorm stark von den Sitten und Gepflogenheiten in Russland. Das russische System unterscheidet sich vom Schweizer System und dem System in den meisten EU-Ländern.

Es ist wichtig, nicht sofort viel Geld in ein neues Geschäft zu investieren, sondern zuerst die lokalen Gegebenheiten zu verstehen und zu evaluieren, ob das Land, die Schweiz, für das eigene Projekt wirklich die richtige Wahl ist.

Des Weiteren müssen für den erfolgreichen Start in der Schweiz, alle Dokumente in hoher Qualität aufbereitet und geliefert werden. Der von den Behörden vorgegebene Weg ist zu befolgen und «flexiblere Alternativlösungen» sind von vorneherein zu verwerfen. Dies dürfte insbesondere Personen aus Russland nicht immer ganz leicht fallen. In der Schweiz gibt seitens der Kantone und des Bundes faire Konditionen und die
Spielregeln, diese müssen ohne «wenn und aber» eingehalten werden. Nur bei Konformität mit den Anforderungen kann man in der Schweiz zum Ziel gelangen.

Neuankömmlinge müssen in der Schweiz mit höheren Administrationskosten rechnen als in einem anderen Land. Auch sind die operativen und laufenden Kosten (Administration, Buchhaltung, Rechtsberatung) in der Schweiz hoch. Aber, die Qualität der Leistungen, die man erhält, ist auch sehr gut, des Verhältnis Preis-Leistung stimmt.

Des Weiteren muss man bei dem Schritt in die Schweiz bereit sein, Zeit und Geduld zu investieren: Manche Sachen brauchen mehr Zeit und man kann nicht einfach mehr Geld bezahlen, um das Prozedere zu beschleunigen.

Last but not least möchte ich noch einmal die «IP-Protection» in der Schweiz hervorheben. Die Prozedere in diesem Zusammenhang sind strukturiert und transparent und bieten ein sehr hohes Mass an Rechtssicherheit.

Maxim Zimin, Co-Gründer und CIO von Invemo
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