Datscha, Stadt oder Strand? Urlaub im Corona-Sommer

Im vergangenen Jahr wurden dagegen nach Angaben der russischen Grenzagentur noch 48 072 285 Auslandsreisen von Russen in 176 Länder und Territorien unternommen.

von Jonas Prien, Ausserer & Consultants

Nach dem Lockdown im Mai und den vielen alltäglichen Hindernissen sehnen sich viele Russen und in Russland lebende Menschen nach einer Auszeit von Corona und damit nach ein wenig Normalität. Wie gestaltet sich der Urlaub im Corona-Sommer?

Durch komplizierte Reiseeinschränkungen und zahlreiche Grenzschließungen erleben viele Russen derzeit einen Sommer im eigenen Lande wie aus vergangenen Tagen. Im Trend liegen dabei, die Eltern und Großeltern auf dem Lande zu besuchen, an die Wolga fahren, Tomaten auf der eigenen Datscha anzubauen, nationale Attraktionen in Moskau oder St. Petersburg zu begutachten oder bei einer Wanderung das Altai-Gebirge genießen. Dagegen sind Städte wie Paris, San Francisco oder München auf einmal wieder fern.

Im vergangenen Jahr wurden dagegen nach Angaben der russischen Grenzagentur noch 48 072 285 Auslandsreisen von Russen in 176 Länder und Territorien unternommen. Die beliebtesten Ziele waren die Türkei (15%), die zu Georgien gehörende abtrünnige Republik Abchasien (10%), Finnland (8,1%), Kasachstan (7,1%) und China (5,4%). Immer beliebter wurden zudem Reisen nach Europa und in die warmen Länder Südostasiens während der Wintermonate.  

Zur Freude vieler Reisender wurde am 01. Juli der Tourismus in Russland offiziell wieder erlaubt. Dennoch existieren auch innerhalb des Landes Einschränkungen, wie etwa Selbstisolation nach der Anreise. International sind die Grenzen aber weiterhin stark eingeschränkt. Außer kleinerer sog. „Manager-Flüge“[1], also gecharterten Flügen, die vor allem Expats, Firmenchefs und Offizielle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Russland zurückbrachten, gibt es keinen geregelten Verkehr. Seit dem 01. August gibt es allerdings neue Öffnungen. Premierminister Mikhail Mishustin verkündete auf einer Pressekonferenz, dass Flüge aus der Türkei, Tansania und Großbritannien mit Einschränkungen wieder möglich sind.[2] Die Auswahl der Länder hat selbst einige Experten überrascht, da insbesondere Tansania aus der Liste zu fallen scheint. Allerdings hat das Land laut offiziellen Angaben seit mehreren Wochen keine Corona-Fälle, was Experten des Economist bezweifeln.[3] Die türkischen Regionen Antalya, Dalaman und Bodrum gelten allerdings wie oben beschrieben als Favoriten der russischen Urlauber und können ab dem 10.08.2020 mit negativem Corona-Test wieder besucht werden.

Längst kein Geheimtipp mehr: ein Urlaub auf der Krim

Natur, Stadt oder Datscha

Nach einer Umfrage der BBC Russland favorisieren über 55% der Befragten einen Strandurlaub, gefolgt von 31% der Stimmen für einen Urlaub in der Natur und 14% für einen kulturellen-historischen Städtetrip.

Die beliebtesten Destinationen sind laut BBC die Ferienregionen am Schwarzen Meer, die schon zu Sowjetzeiten zu den beliebtesten Orten zählten. Insbesondere nach den Investitionen im Zuge der Winterspiele 2014 haben sich Sotschi und das Olympiazentrum Adler zur ersten Adresse entwickelt. Auch Anapa und Krasnodar in der gleichnamigen Region liegen im Trend. Moskau und St. Petersburg werden weiterhin als erstes angeflogen, allerdings nutzen viele die beiden Metropolen zum Umsteigen.

Nach den Geschehnissen 2014 hat die Halbinsel Krim auch in diesem Jahr erneut einen großen Gewinn zu verzeichnen, nachdem der Tourismus zeitweise völlig eingebrochen war. Simferopol, Jalta und Sewastopol bieten jene Aussichten, die sich viele Urlauber wünschen: Strand, gutes Wetter, Promenaden und Natur – also ein bisschen Normalität.


[1] https://russland.ahk.de/infothek/news/detail/deutsche-top-manager-und-diplomaten-zurueck-in-russland

[2] http://www.rusaviainsider.com/russia-to-re-launch-international-air-travel-on-august-1/

[3] https://www.economist.com/middle-east-and-africa/2020/07/23/why-tanzanias-statistics-look-fishy

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