Das Schweizer Steuersystem und seine Reform – Interview mit Marc Buchmann, Fischer Ramp Partner AG

Für Unternehmen in forschungsintensiven Bereichen dürften insbesondere die Patentbox und die zusätzlichen Forschungs- und Entwicklungsabzüge interessant sein.

Das Interview führten Isabelle Ganz, Partner bei QUORUS GmbH und Nina Fois, QUORUS GmbH, Research, Marketing & Communications

Die Anwaltskanzlei Fischer Ramp Partner AG ist auf die Beratung und Unterstützung von Privatklienten mit maßgeschneiderten Lösungen und einem spezifischen Fokus auf Steuerangelegenheiten spezialisiert.

Anfang 2020 wurden der Paradigmawechsel in der Schweizer Finanzmarktarchitektur und die am 1. Januar 2020 umgesetzte Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) von Isabelle Ganz, Partner und Mitgründerin der QUORUS GmbH und Marc Buchmann, Partner und Steuerexperte bei Fischer Ramp Partner AG, in der Publikation Swiss Chance 2020 im Detail analysiert (https://www.quorus.ch/images/pdf/200409_SWISS_CHANCE_TEIL_1__TEIL_2_DE.pdf).

Die Schweiz präsentiert sich sowohl in finanzmarkregulatorischer als auch in steuerlicher Hinsicht als attraktiver Standort für Startups, Jungunternehmen und Ansiedlungen von innovativen ausländischen Unternehmen. Aber welche Rolle spielt dabei genau das Schweizer Steuersystem und welches sind seine Besonderheiten?

1. Isabelle Ganz, Nina Fois: Zu Ihren Klienten gehören viele ausländische Privatpersonen und Unternehmen. Haben Sie ein spezifisches Fokus auf einem Land? Mit welchen Anliegen werden Sie meistens konfrontiert? Was sind die größten Herausforderungen, die es im Bereich Steuern international zu überwinden gibt?

Über einen spezifischen Länderfokus verfügt Fischer Ramp Partner nicht. Generell ist unsere Kanzlei aber sehr international ausgerichtet und wir arbeiten regelmäßig mit ausländischen Anwaltskanzleien an grenzüberschreitenden Projekten. Gerade grenzüberschreitende Sachverhalte weisen in der Praxis einen hohen Grad an Komplexität aus, da stets verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Wir stellen fest, dass das Interesse an der Schweiz sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen weiterhin sehr groß ist. In diesem Zusammenhang beraten wir regelmäßig Umsiedelungen und prüfen, wie sich die Umsiedelung steuerlich effizient gestalten lässt, auch unter Berücksichtigung von sogenannten ausländischen „Exit-Taxes“ (Steuern, die beim Wegzug anfallen).

2. Nach dem Schweizer Föderalismusprinzip liegt die Festlegung der effektiven kantonalen Steuersätze für Unternehmen und Privatpersonen in der Kompetenz der Kantone. Ungeachtet der kantonalen Unterschiede, welche sich in erster Linie auf die Standortkonkurrenz im Binnenmarkt auswirken, ist die Schweiz in Bezug auf ihre Unternehmensbesteuerung auf internationale Ebene sehr kompetitiv aufgestellt. Welche Elemente spielen im internationalen steuerlichen Standortwettbewerb eine entscheidende Rolle?

International praktisch einzigartig sind das System von Steuerrulings und die tatsächliche Nähe zu den Steuerbehörden. Steuerrulings und die Nähe zu den Behörden tragen erheblich zur Rechtsicherheit bei und ermöglichen eine sehr genaue Abschätzung der Steuerfolgen.

Für vermögende Privatpersonen ist – abhängig von den Quellenstaaten der Einkünfte – die Besteuerung nach Aufwand attraktiv.

Für Unternehmen ist attraktiv, dass das schweizerische Steuersystem sehr dynamisch ist und immer wieder neue Maßnahmen eingeführt werden, um die steuerliche Attraktivität zu sichern, so bspw. die Patentbox und die Aufdeckung von stillen Reserven beim Zuzug, die anschließend steuerlich abgeschrieben werden können.

3. Auf dem Binnenmarkt stehen die Kantone untereinander im konstanten Standortwettbewerb, welche Kantone sind hinsichtlich Unternehmensbesteuerung am attraktivsten und welches sind die Hauptelemente, die diese Kantone im Vergleich zur Konkurrenz als «Unique Selling Points» (USPs) ins Feld führen können?

Im Zuge der Unternehmenssteuerreform (STAF) wurden verschiedene Maßnahmen eingeführt, um die Abschaffung von gewissen Privilegien abzufedern. Ein Großteil der Maßnahmen wurde von allen Kantonen umgesetzt.

Die wesentlichen Unterschiede sind daher tatsächlich auf die Gewinnsteuerbelastung zurückzuführen. Sehr tiefe Gewinnsteuerbelastungen bieten bspw. Zug, Luzern und Schwyz. In der französischsprechenden Schweiz ist Waadt steuerlich attraktiv für Unternehmen.

4. Am 1. Januar 2020 ist das Bundesgesetz über die Steuerreform und AHV Finanzierung (STAF) in Kraft getreten. Welche konkreten Veränderungen hat die STAF auf nationaler und kantonaler Ebene mit sich gebracht? Von welchen Erleichterungen und unter welchen Voraussetzungen können neugegründete Startups und Unternehmen profitieren?

Im Zug der STAF wurden folgende Privilegien abgeschafft und neue Aspekte eingeführt:

  • Abschaffung der Steuerprivilegien (Holding, gemischte Gesellschaften, Domizilgesellschaften) und damit verbunden die Offenlegung stiller Reserven (dadurch können im Wesentlichen die Steuerfolgen aufgrund der neu ordentlichen Besteuerung abgefedert werden).
  • Einführung Patentbox
  • Einführung zusätzliche Forschungs- und Entwicklungsabzüge
  • Einführung Abzug Eigenfinanzierung

Für Unternehmen in forschungsintensiven Bereichen dürften insbesondere die Patentbox und die zusätzlichen Forschungs- und Entwicklungsabzüge interessant sein.

Weiter sollten Unternehmen, die in der Vergangenheit von Steuerprivilegien profitierten (Holdings, gemischte Gesellschaften, Domizilgesellschaften) ihre Steuersituation aufgrund der Abschaffung der Steuerprivilegien zeitnah überprüfen.

5. In welchen Kantonen können Startups und Unternehmen, die in der Schweiz Fuß gefasst haben, am umfangreichsten und effizientesten von den Neuerungen der STAF profitieren?

Rein steuerlich ist Zug attraktiv. Da allerdings gerade Startups oftmals im Anfangsstadium noch keine Gewinne verzeichnen können, sollte sich die Standortwahl nicht zu stark an den Steuern orientieren, sondern auch Faktoren wie qualifiziertes Personal, Lohnniveau, Verkehrsanbindung und geeigneten Räumlichkeiten berücksichtigen.

6. Was muss eine Gesellschaft mit Eigentümern oder Aktionären aus EU-Ländern und / oder Drittstaaten (Länder außerhalb EU/EFTA) steuerrechtlich beim Setup in der Schweiz insbesondere beachten, einerseits im Interesse des Unternehmens und andererseits im Interesse der ausländischen Eigentümer und Aktionäre?

Substanz auf der Ebene von Gesellschaften in Bezug auf die Haltestruktur ist nun schon seit einigen Jahren enorm wichtig – sowohl national wie international.

Wird eine Schweizer Gesellschaft nicht von natürlichen Personen, sondern über eine ausländische Gesellschaft gehalten, muss die ausländische Gesellschaft über Substanz (funktionelle, infrastrukturelle und finanzielle Substanz) verfügen. Verfügt die ausländische Gesellschaft nicht über Substanz, kann von dem großen Schweizer Doppelbesteuerungsnetzwerk im Zusammenhang mit der Rückerstattung von Quellensteuern nicht vollumfänglich profitiert werden.

7. Welches sind die wichtigsten Faktoren, denen in der Schweiz Rechnung getragen werden muss und was sind steuerlich gesehen die «Do’s und Dont’s»?

Die Steuerplanung hat im Einklang mit der wirtschaftlichen Realität zu sein. Das ist quasi gleichzeitig das „Do and Don’t“.

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