Wie klappt die Liquidation eines Unternehmens in Russland

Sollte sich ein Unternehmen als nicht rentabel herausstellen, kommt es zu einer Liquidation (Latein: liquidare = verflüssigen). Im Fokus stehen dabei die Veräußerung der Vermögenswerte sowie die Bezahlung aller ausstehenden Forderungen.

Von Jonas Prien, Ausserer & Consultants


Sollte sich ein Unternehmen als nicht rentabel herausstellen, kommt es zu einer Liquidation (Latein: liquidare = verflüssigen). Im Fokus stehen dabei die Veräußerung der Vermögenswerte sowie die Bezahlung aller ausstehenden Forderungen. Obwohl es breites Wissen über Unternehmungsgründungen gibt, ist der Liquidationsprozess eher unbekannt. Wir wollen in diesem Artikel einen Beitrag zum besseren Verständnis von Liquidationen leisten.

Grundsätzlich kann eine russische Kapitalgesellschaft folgenderweise liquidiert werden: freiwillig auf Beschluss der Gesellschafter, oder zwangsweise auf Initiative der bevollmächtigen staatlichen russischen Behörden auf Basis eines Gerichtsbeschlusses. Damit kommt es einer vereinfachten Insolvenz gleich, bei welcher den Gesellschaftern nur wenig Mitspracherecht bleibt.

Die Gründe für eine zwangsweise Liquidierung können vielfältig sein. Oftmals sind es grobe Verletzungen des Gesetzes, Ausübung von Tätigkeiten ohne entsprechender Lizenz oder eine Tätigkeit, welche durch Gesetz oder Verfassung der Russischen Föderation verboten ist. Bei der freiwilligen Liquidation sind es vor allem Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen, die sich langfristig als nicht rentabel herausgestellt haben. Zum Beispiel mussten mehrere Unternehmen aus der Konzert- und Eventbranche ihre ausländischen Tochtergesellschaften aufgrund der Corona-Pandemie zurückziehen, da die Einnahmequellen langfristig eingeschränkt sind.

Wie verläuft der Liquidationsprozess und welche Schritte sind zu beachten?

Die freiwillige Liquidation ist ein relativ langes und formalisiertes Verfahren, welches nach aktueller Praxis in der Regel zwischen sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen werden kann. Bestehen jedoch offene nicht geklärte Rechtsverfahren, so kann der Liquidierungsprozess entsprechend bis zur Klärung dieser verzögert werden.

Mit Beschlussfassung über die Liquidation durch den Gesellschafter wird ein Liquidator bzw. die Liquidationskommission bestellt, wichtig dabei ist zu erwähnen, dass als Liquidator eine physische Person bestellt werden muss. In der Regel werden für die Liquidierung einer Gesellschaft auf darauf spezialisierte Kanzleien beauftragt, welche oft auch einen Liquidator bzw. die Liquidationskommission stellen können.

Bei der Benachrichtigung der Behörden über die Beschlussfassung ist wichtig zu beachten, dass dies innerhalb 3 Arbeitstagen erfolgt. Die Liquidationskommission ist dazu verpflichtet, eine Mitteilung über die Liquidation der Gesellschaft in einem dafür anerkannten russischen Printmedium zu veröffentlichen. Außerdem müssen die Gläubiger sowie der Agentur für Arbeit schriftlich benachrichtigt werden. Nach Veröffentlichung im russischen Printmedium müssen mindestens zwei Monate abgewartet werden. Die Zwischenbilanz der Liquidation wird dann bei der dafür zuständigen Steuerbehörde eingereicht.

Als nächster Schritt werden nach der Aufstellung der Liquidationsbilanz die Rückzahlungen sowie die Gläubigerforderungen erbracht. Wichtig ist jedoch ausdrücklich festzuhalten, dass solange eine Gesellschaft nicht ordnungsgemäß liquidiert und abgemeldet ist, sie verpflichtet ist, einen Liquidator bzw. Liquidationskommission zu haben, Steuererklärungen abzugeben und Buchhaltung zu führen – erst mit Eintragung der Liquidation beim Einheitlichen Staatsregister der juristischen Personen (EGRJL/ЕГРЮЛ) und die Abmeldung bei der Steuerbehörde erlischt die Berichtspflicht und erst dann gilt die Gesellschaft als liquidiert.

Leitlinien zur Liquidation einer Gesellschaft in Russland:

  1. Beschlussfassung einer Liquidation (innerhalb von drei Tagen)
  2. Ernennung des Liquidators
  3. Erstellung der Liquidationseröffnungsbilanz
  4. Vermögensverteilung an Gläubiger und Gesellschafter
  5. Rückzahlung der Steuerschulden und Ausbezahlung der Mitarbeiter
  6. Erstellung der Liquidationsabschlussbilanz
  7. Benachrichtigung der staatlichen Steuerbehörden und des Handelsregister

Schließlich ist die Liquidation trotz der formalen Schritte und der Länge von mehreren Monaten ein ausgezeichnetes Instrument, um ein nicht rentables Unternehmen bzw. eine Tochtergesellschaft ohne Probleme zu schließen. Dadurch kann größerer Schaden vom Gesamtunternehmen genommen werden.

Like and share this post on social media:
Follow by Email
LinkedIn
Share